Nachwachsende Rohstoffe

Das Bild zeigt den Querschnitt eines Teils eines Bürogebäudes.© www.archlab.de

Biotische Materialien aus nachhaltiger Kultivierung gelten grundsätzlich als ressourcenschonend und kreislauffähig, da sie in gleichem Maße nachwachsen, wie sie genutzt werden. Sie sind vollständig stofflich verwertbar, sofern auf Zusatzstoffe verzichtet wird, die das Recycling negativ beeinflussen. Neben dem in Deutschland meistgenutzten biotischen Rohstoff Holz eignen sich weitere Stoffe wie z. B. Stroh, Flachs und Hanf für verschiedene Zwecke in einem Gebäude. Biotische Rohstoffe besitzen zusätzlich die positive Eigenschaft der CO2-Speicherung und tragen somit bei einem langfristigen Einsatz im Gebäudesektor zu einer Kohlenstoffsenkung bei. Gleichzeitig können energieintensive Rohstoffe substituiert werden. Holzprodukte aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung besitzen z. B. ein FSC- oder PEFC-Zertifikat. Auf nicht zertifizierte Holzprodukte sollte möglichst verzichtet werden* Hillebrandt, A.; Riegler-Floors, P.; Rosen, A. und Seggewies, J.-K. (2021): Recycling Atlas - Gebäude als Materialressource. 2. Auflage, Edition Detail, München, ISBN 978-3-95553-415-8. .

Altholz

Altholz wird aktuell zu einem geringen Anteil stofflich in der Spanplattenindustrie verwertet. In der angestrebten Kaskadennutzung sollen zukünftig vermehrt Träger, Stützen und Platten zu spanbasierten Produkten verarbeitet werden. Anschließend bieten sich weitere Verwertungsmöglichkeiten in der Herstellung faserbasierter und chemischer Produkte an. Erst im letzten Schritt sollte die energetische Verwertung erfolgen. Durch die langfristige stoffliche Kaskadennutzung steht bei einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung zukünftig mehr Holz für die Substitution energieintensiver Baumaterialien zur Verfügung* Wolf, T.; Kubowitz, P. und Untergutsch, A. (2019): Potenziale von Bauen mit Holz - Erweiterung der Datengrundlage zur Verfügbarkeit von Holz als Baustoff zum Einsatz im Holzbau sowie vergleichende Ökobilanzierung von Häusern in Massiv- und Holzbauweise, Dessau-Roßlau. . Für naturbelassenes Altholz besteht im Sinne der Wieder- und Weiterverwendung ebenfalls ein Markt. Dabei handelt es sich oft um Bauteile mit historischem Wert oder solchen, die durch die Alterung eine besondere Optik besitzen* Hillebrandt, A.; Riegler-Floors, P.; Rosen, A. und Seggewies, J.-K. (2021): Recycling Atlas - Gebäude als Materialressource. 2. Auflage, Edition Detail, München, ISBN 978-3-95553-415-8. .

Biotische Recycling-Dämmstoffe

Biotische Dämmstoffe sind ebenfalls aus Reststoffen und Sekundärrohstoffen produzierbar sowie technisch rezyklierbar. Unter Umständen erfüllen die Dämmprodukte dann aber nicht mehr die Leistungszahlen, welche mit Primärrohstoffen möglich sind* Reinhardt, J.; Veith, C.; Knappe, F. und Mellwig, P. (2022): Der Gebäudebestand steht vor einer Sanierungswelle – Dämmstoffe müssen sich den Materialkreislauf erschließen. Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu), Heidelberg, (abgerufen am: 20.05.2022). . Zellulosedämmstoffe sind auf der Basis von Altpapier erhältlich* Kloth, P. (2018): Zellulose - eine ökologische und effiziente Dämmung. RENEWA GmbH, Hamburg (abgerufen am: 20.07.2022). .

Materialdatenbank

Der Einsatz von Sekundärrohstoffen trägt zu einem umweltschonenden Umgang mit Ressourcen bei. Unternehmen übernehmen damit nicht nur ökologische Verantwortung, sondern sparen durch den verringerten Primärrohstoffeinsatz Kosten. Außerdem können Stoffe, die in der Produktion und am Ende des Produktlebenszyklus anfallen, in den Kreislauf zurückgeführt werden. Die Materialdatenbank des VDI Zentrums Ressourceneffizienz gibt eine Übersicht über die Verwertung, den Ankauf und die Veräußerung von Materielien aus den Gruppen Metall, Kunststoffe, Bau, Glas, Papier und Textil.

Gute Praxis Beispiele

Derix bietet die Rücknahme von Holzbauteilen an

Die Derix-Gruppe hat sich dazu verpflichtet, künftig rückgebaute Brettschichtholz- und Brettsperrholz-Bauteile zurückzunehmen und wiederzuverwenden. Damit möchte das Unternehmen das Prinzip „Cradle to Cradle“ umsetzen. Voraussetzungen für die Rücknahme sind, dass die Bauteile ohne Verputzung oder Beplankung vorliegen. Eine Dokumentation als 3D-Modell sollte vorhanden sein. In den kommenden Jahren wird erwartet, dass der Zuwachs an rücklauffähigen Bauteilen steigen wird. Die Hoffnung besteht, dass mit den dokumentierten und kategorisierten zurückgenommenen Bauteilen zukünftig neue Projekte realisiert werden können.

Literatur:

Klima Forum Bau (2021): DERIX-Gruppe macht Rücknahme gebrauchter Bauteile zum Standard [abgerufen am: 08.07.2022], verfügbar unter: klimaforum-bau.de/news/derix-gruppe-macht-ruecknahme-gebrauchter-bauteile-zum-standard/

Cradle to cradle Strohplatte

Die Firma stellt Platten aus Stroh für den Innenausbau her. Durch das schnelle Wachstum im Vergleich zu Bäumen ist Stroh ein effizientes CO2-Speichermedium. Der Rohstoff ist oft lokal verfügbar und die Platten werden in einem ressourcenschonenden Prozess hergestellt. Es kommen keinerlei Schadstoffe zum Einsatz, wodurch der Werkstoff am Ende des Lebenszyklus stofflich wiederverwertbar ist

Literatur:

Strohplattenwerk Müritz (2022): Investieren auch Sie in die Zukunft - ganz natürlich! [abgerufen am: 08.07.2022], verfügbar unter: www.strohplattenwerk-mueritz.com/de/

Einblasdämmung ISO-Stroh

ISO-Stroh ist eine Einblasdämmung aus 100 % Weizenstroh. Das Produkt enthält keinerlei Zusätze und hat natürliche brandhemmende Eigenschaften. Aufgrund der Nutzung eines Nebenprodukts aus der Landwirtschaft, der regionalen Rohstoffgewinnung und einer problemlosen Wiederverwendbarkeit ist der Dämmstoff sehr ressourcenschonend.

Literatur:

DPM Gruppe (2022): Einblasdämmung aus 100 % Weizenstroh [online]. DPM Holzdesign GmbH [abgerufen am: 20.07.2022], verfügbar unter: www.iso-stroh.net

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR): effizienter Neubau

Das neue Gebäude der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe wurde überwiegend mit Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut und ist ein überzeugendes Referenzprojekt für die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Das Gebäude entstand in moderner Holzbauweise.

 

Für die Fassade kam recyceltes Eichenholz ehemaliger landwirtschaftlicher Gebäude zum Einsatz. Für den Ausbau mit zahlreichen Naturbaustoffen fiel ein finanzieller Mehraufwand von lediglich rund 4 % gegenüber einem konventionellen Bau an.

Weiterhin wurde mit Hilfe einer konsequenten Wärmedämmung der Energieverbrauch so weit wie möglich reduziert. Dabei kamen überwiegend Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zum Einsatz. Der geringe Rest-Energiebedarf für die Heizung wird über eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung und eine Wärmepumpe gedeckt, die neben Erdwärme die in der Löschwasserzisterne gespeicherte Abwärme des Computerservers nutzt. Insgesamt können durch die verwendten Baustoffe der Atmosphäre dauerhaft 175 Tonnen CO2 entzogen werden.

Literatur:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (2011): Neubau [abgerufen am: 08.07.2022], verfügbar unter: www.fnr-server.de/ftp/pdf/literatur/pdf_437-neubau_fnr_brosch_aufl02_web.pdf

Bauen mit Recyclingpapier

Ein Schweizer Unternehmen ist für ihr „Ecocell“ Bausystem im Mai 2016 mit dem GreenTec Award geehrt worden. Basis des Bausystems ist ein wabenförmiger Kern aus Recyclingpapier mit einer dünnen Schicht aus Zement. Zusammen in einem Sandwichverbund mit Holz entsteht eine statisch belastbare Isolation, die zugleich tragende Hauswand ist. Die nach dem Nut- oder Federprinzip verbundenen Wandelemente eignen sich damit für den (mobilen) Hausbau. Die Feuerbeständigkeit übertrifft die zulässigen Werte für den Bau von Einfamilienhäusern und Doppelhäusern, bedingt durch die Zement-Ummantelung und den geschlossenen Wandaufbau.

Literatur:

Informationsverein Holz e.V. (2016): GreenTec Award für Häuser aus Altpapier [abgerufen am 25.07.2022], verfügbar unter: informationsdienst-holz.de/details/greentec-award-fuer-haeuser-aus-altpapier

Holz-Hybrid-Hochhaus schont die Umwelt

In Heilbronn wurde das derzeit höchste Holz-Hybrid-Gebäude Deutschlands gebaut. Das Gebäude weist nicht nur durch die Wahl des Rohstoffes eine hohe Nachhaltigkeit auf. Auch sonst ist das Hochhaus sehr energie- und ressourceneffizient.

Das Haus setzt sich aus zwei Teilgebäuden zusammen. Dem eigentlichen zehnstöckigen Hochhaus und einem daran anschließenden, zurückgesetzten sechsstöckigen Gebäude. Das Tragwerk wird durch den Treppenhauskern und ein Sockelgeschoss mit einem gemischten Holzskelett-/Holzmassivbau sowie Stahlträgern gebildet. Obwohl das Sockelgeschoss und das Treppenhaus aus Brandschutzgründen in Stahlbeton ausgeführt sind, besteht das Gebäude zum größten Teil aus Holz. Beim Entwurf und Bau war eines der Hauptziele, die bestmögliche Wiederverwertbarkeit der verwendeten Rohstoffe zu sichern. So wurde zum Beispiel der vielschichtige Deckenaufbau zum Schallschutz ohne Verbundschichten realisiert, so dass die einzelnen Schichten problemlos voneinander getrennt und wiederverwertet werden können.

Insgesamt ist das Gebäude 34 m hoch und umfasst 60 Wohnungen. Das Sockelgeschoss wird gewerblich genutzt. In dem verwendeten Holz werden knapp 1.500 Tonnen Kohlendioxid eingelagert. Das Holz-Hybrid-Gebäude erfüllt zudem den Standard eines Energieeffizienzhauses 55. Dies wurde unter anderem durch dreifach verglaste Fenster in Verbindung mit einer effizienten Belüftungstechnik erreicht.

Literatur:

Holzbau-Offensive Baden-Württemberg (2019): Deutschlands erstes Holz-Hybrid-Hochhaus [abgerufen am: 07.07.2022], verfügbar unter: www.holzbauoffensivebw.de/de/frontend/product/detail

BioBuild

Im Baubereichen kann sich die Substitution mit biobasierten Werkstoffen positiv auf die Ressourceneffizienz auswirken. Das ist etwa der Fall, wenn Fassaden aus Biokompositen hergestellt werden, wie es im EU-Projekt BioBuild der Fall ist. Hier soll bei der Herstellung der CO2 -Ausstoß um bis zu 50 % im Vergleich zu mit hohem Energieaufwand produzierten Ziegeln oder faserverstärkten Kunststoffen reduziert werden. Das BioBuild-Projekt („High performance, economical and sustainable biocomposite building materials“) hat Biokomposite zum Ziel, die nicht durch Feuchtigkeitsaufnahme und mikrobielle Einflüsse abgebaut werden und Lebensdauern von 40 Jahren erreichen. In der ersten BioBuild-Projektphase wurden Haltbarkeit und Brandverhalten imprägnierter Gewebe aus Flachs, Jute und Hanf getestet. Auch Fügetechniken von Biokompositlaminanten untereinander sowie mit Edelstahlbefestigungen wurden entwickelt. In einem von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) geförderten Verbundprojekt wurde eine Bioschaumplatte aus Celluloseacetat (CA) für die Gebäudedämmung entwickelt. CA verfügt über vergleichbare mechanische Eigenschaften wie das weitverbreitete Dämmmaterial Polystyrol (PS), zeigt aber Unterschiede beim Erstarren und bei der Schmelzelastizität. Um ein biobasiertes Alternativmaterial zu Polystyrol bereitzustellen, wurde zunächst eine Grundrezeptur von CA mit geeigneten Weichmachern, Füllstoffen und Nukleierungsmittel entwickelt. In einem eigens aufgebauten Extruder wurden die grundsätzliche Schaumfähigkeit von CA nachgewiesen und die Verfahrensparameter optimiert. Anschließend wurden Tests auf immer größeren Extrusionsanlagen und erste Versuche zur Konfektionierung durchgeführt.

Literatur:

VDI ZRE (2015): Systemische Ansätze zur Steigerung der Ressourceneffizienz im Bauwesen [abgerufen am: 05.07.2022], verfügbar unter: www.ressource-deutschland.de/fileadmin/user_upload/1_Themen/h_Publikationen/Kurzanalysen/VDI-ZRE_Kurzanalyse-12_Web.pdf

Vorpomern Initiative Paludikultur – VIP

Am Innovations- und Bildungszentrum Hohen Luckow e. V. (IBZ) wurde eine brandfeste Faserplatte für verschiedene Bauanwendungen aus Schilf entwickelt. In dem Teilvorha en des BMBF-geförderten Forschungsprojekts „Vorpommern Initiative Paludikultur – VIP“ konnten die Forscher nachweisen, dass der nachwachsende Rohstoff Schilf als Füll- und Faserstoff in solchen Platten einsetzbar ist. In einer Reihe von Versuchen und Tests, angelehnt an die Vorschriften des Deutschen Instituts für Normung e. V. (DIN), wurden die Produkteigenschaften bestimmt. Neben einer hohen Biegefestigkeit und der Nichtbrennbarkeit weist das Material vor allem ein besonders positives Feuchteverhalten auf. Das Plattenmaterial zeigt eine hohe Schimmelresistenz, keine Dickenquellung nach 24 Stunden Wasserlagerung und keine irreversiblen Schäden nach Wässerung mit anschließender Trocknung. Insgesamt ermöglichen die Schilf-Brandschutzplatten ein gutes Handling und sind leicht zu verarbeiten. Die Erkenntnisse aus dem Projekt flossen auch in die Optimierung eines entsprechenden Fertigungsverfahrens bei der Firma Strohlos Produktentwicklung GmbH ein.

Literatur:

VDI ZRE (2015): Systemische Ansätze zur Steigerung der Ressourceneffizienz im Bauwesen [abgerufen am: 05.07.2022], verfügbar unter: www.ressource-deutschland.de/fileadmin/user_upload/1_Themen/h_Publikationen/Kurzanalysen/VDI-ZRE_Kurzanalyse-12_Web.pdf

Bauschaum-Alternativen

Zur Fixierung und Abdichtung von Fenstern und Außentüren wird häufig Bauschaum eingesetzt. Die Befestigung am Bauwerk ist aber auch mithilfe lösbarer Befestigungselemente umsetzbar. Abgedichtet werden kann die Fuge zwischen Rahmen und Bauwerk alternativ mit recyclinggerechter Stopfwolle oder einem Kalfaterband.

Literatur:

Hillebrandt, A.; Riegler-Floors, P.; Rosen, A. und Seggewies, J.-K. (2021): Recycling Atlas - Gebäude als Materialressource. 2. Auflage, Edition Detail, München, ISBN 978-3-95553-415-8.