Produkt-Service-Systeme

KOMPLEMENTÄRE SERVICES (PRODUKTORIENTIERTE PSS)

Als ersten Einstiegspunkt in das Thema Produkt-Service-Systeme können Hersteller zum Produkt zusätzliche Services (z. B. regelmäßige Wartung) anbieten. Hierfür ergeben sich unter Umständen bereits Implikationen für das Produktdesign wie eine Verbesserung der Demontierbarkeit oder eine Verringerung des Wartungsaufwandes [3, S. 248].

-> Beispiel

Ressourceneffizienz-Check im Anlagenbau

Ein Unternehmen bietet als zusätzlichen Service zu den von ihm vertriebenen Ölanlagen einen Ressourceneffizienz-Check an, der dabei hilft, den Betrieb von Walzölfiltrations-, Abluftreinigungs- und Rektifikationsanlagen zu optimieren. Eine Unterstützung erfolgt hier durch Beratung, Simulationen und Maßnahmen zur Verbesserung des Anlagenbetriebs (z. B. anlagentechnische Upgrades). Hierbei verspricht die Firma eine Effizienzsteigerung der Ölanlagen von bis zu 30% [4].

VERMIETUNG, SHARING UND LEASING (NUTZUNGSORIENTIERTE PSS)

Eine weitere Stufe im Kontext von PSS stellt eine zeitweise Überlassung des Produktes an den Nutzer dar. Der Hersteller übernimmt dabei die Garantie für die Funktion, z. B. durch Wartungs- und Reparaturarbeiten. Das Eigentum des Produktes verbleibt jedoch während der gesamten Nutzungsphase bei dem Hersteller, an den das Produkt nach Ende der Nutzung wieder übermittelt wird [3, S. 248].

-> Beispiel

Elektroroller-Sharing

In deutschen Großstädten sind in den letzten Jahren viele neue Sharing-Systeme entstanden. Neben den bereits etablierten Sharing-Fahrzeugen und -Fahrrädern, werden dabei zunehmend auch Elektroroller angeboten. Die Roller bieten eine günstige, flexible und umweltfreundliche Alternative zum Auto und sind im Vergleich zum Fahrrad bequemer und schneller. Ressourceneffizienzpotenziale ergeben sich hier insbesondere, wenn eine Autofahrt durch eine Rollerfahrt ersetzt wird. Außerdem entsteht durch die geteilte Nutzung weniger Ressourcenaufwand für die Rollerherstellung. Problematisch ist hier jedoch ähnlich wie beim Fahrrad-Sharing [5] die Gefahr einer verringerten Haltbarkeit durch Vandalismus und unsachgemäße Benutzung. Die Fahrzeuge müssen in der Entwicklung daher mit einem zusätzlichen Schutz versehen werden. Hier ist es auch wichtig, den höheren Verschleiß durch eine intensivere Produktnutzung im Vergleich zu normalen Elektrorollern einzukalkulieren. Darüber hinaus ist eine verbesserte Nachweisbarkeit von Schäden am Fahrzeug sinnvoll (z. B. mittels Sensorik) [6].

TRANSITION VOM PRODUKT- ZUM SERVICEANBIETER (ERGEBNISORIENTIERTE PSS)

Die weitreichendste Form der PSS-Implementierung mit dem höchsten Serviceanteil ergibt sich, wenn Verträge mit dem Kunden ausschließlich hinsichtlich einer zu erbringenden Leistung abgeschlossen werden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Kauf von Triebwerksstunden anstelle eines Triebwerks im Bereich Luftfahrt. Die Abrechnung erfolgt daher je erbrachter Serviceeinheit, z. B. Euro je Flugstunde. Um derartige Geschäftsmodelle realisieren zu können, ist ein hohes Maß an Informationstransparenz für den Hersteller erforderlich, da dieser zumeist keine Mitarbeiter am Ort der Produktnutzung einsetzt. Aus diesem Grund wird hierfür auf informationstechnische Intelligenz und autonom agierende (cyberphysikalische) Systeme gesetzt. Unter dem Begriff "Smart Services" werden dabei Dienstleistungen subsumiert, die erst durch diese neue Intelligenz ermöglicht werden.

-> Beispiel

Connected Car

Die wesentlichen Treiber für Innovationen im Automotive-Bereich ergeben sich derzeit im Rahmen der informationstechnischen Vernetzung von Fahrzeugen. Mit dem neuen 5G-Standard und der zunehmenden Integration von Telematikeinheiten in Fahrzeugen sind neue Funktionen wie z. B. das autonome Fahren realisierbar. Darüber hinaus werden mittlerweile auch die Grenzen zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln schrittweise abgebaut, z. B. durch multimodale Routenplanungsoptionen. Zukünftig könnte es mit diesen Technologien also möglich sein, dass Mobilität komplett als Service angeboten wird. In diesem Fall gibt der Nutzer lediglich Startpunkt, Ziel, Uhrzeit sowie maximale Kosten und ggf. die maximale Menge an Treibhausgasemissionen der gewünschten Verbindung an. Nach Berechnung der optimalen Route wird der Nutzer automatisch von einem autonom fahrenden Fahrzeug abgeholt und zum nächsten Bahnhof gebracht. Die Buchung der Zugtickets erfolgt dabei automatisch über smarte Services. Der letzte Teil der Strecke wird wiederum mit dem Fahrzeug auf einer Autobahnstrecke zurückgelegt. Hier kann sich der Nutzer noch kurzfristig entscheiden, mehr Geld zu bezahlen und hierfür zusätzliche Motorleistung hinzuzukaufen, um das Ziel schneller zu erreichen.

Aus Sicht der Ressourceneffizienz ergeben sich in diesem Beispiel viele Vorteile. Durch die Wahl einer effizienten Route sowie autonomer Steuerung kann der Energieverbrauch für die Route insgesamt minimiert werden. Darüber hinaus erfolgt eine geteilte Nutzung der Mobilitätsoptionen, wodurch Ressourcenaufwand in der Produktherstellung vermieden wird. Außerdem ergeben sich hier Anreize für die Hersteller, ihre Produkte langlebiger zu gestalten und Teile weiterzuverwenden [7].

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