Kreislaufführung von Produkten und Bauteilen

Teil 1 >  Ressourceneffizienz, Anwendungsbereich, Grenzen
Teil 2 >  Wege der Umsetzung und Beispiele

REMANUFACTURING

Remanufacturing meint die Wiederherstellung des Zustands, welchen das Produkt bzw. die Bauteil-Komponente zum Beginn des ersten Produktlebens aufgewiesen hat. Ein Remanufacturing beinhaltet also neben der Zerlegung, Reinigung und Qualitätssicherung des Produktes auch Fertigungsschritte und zielt darauf ab, dass der Kunde den Unterschied zum Neuteil nicht erkennen kann. Zudem erhält der Kunde die gleiche Garantie wie bei einem neuen Produkt [4].

Der Prozess der Wiederaufarbeitung findet entweder bei Originalgeräteherstellern und -aufarbeitern oder bei externen, unabhängigen Remanufacturing-Unternehmen statt. Im ersten Fall ist ein umfassendes System für die Rückführung der Altteile zum Hersteller erforderlich. Dieses kann z. B. über Pfandsysteme, Leasing-Verträge oder Inzahlungnahmen etabliert werden. In den Unternehmen ist in diesem Fall ein effizienter Wiederaufarbeitungsprozess umsetzbar, da hier zumeist alle Informationen zum Produkt vorliegen (Baupläne, Materialzusammensetzungen etc.) [5, S. 538]. Außerdem ist eine Automatisierung von Teilschritten möglich, da die Varianz der aufzuarbeitenden Produkte zumeist nicht sehr groß ausfällt. Wenn kein eigener Prozess im Unternehmen aufgebaut werden kann, ist auch eine Auslagerung dieser Aktivitäten an externe Remanufacturing-Unternehmen als Service-Provider möglich. Diese können zusätzlich noch als unabhängige Remanufacturing-Unternehmen auftreten, welche selbstständig auf dem Sekundärmarkt Altteile akquirieren und diese unter einer eigenen Marke auf dem Markt anbieten [5, S. 539].

Durch Remanufacturing lassen sich teilweise enorme Kostenersparnisse von bis zu 50 % gegenüber einem Neuteil erreichen [7, S. 92], und zwar vor allem durch die Einsparung von Material und Energie für die Herstellung eines Neuteils sowie verringerte Aufwände der Produktion.

-> Beispiel

Remanufacturing von Wasserzählern

Wasserzähler müssen nach gesetzlichen Vorgaben in regelmäßigen Abständen geeicht werden. Aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt zu diesem Zweck ein kompletter Austausch der Geräte. Hierbei müssen hohe Anforderungen hinsichtlich der Messgenauigkeit und Hygiene beachtet werden. Während gebrauchte Zähler in der Vergangenheit einfach durch neue Geräte ausgetauscht wurden, bietet die Lorenz GmbH eine Wiederaufarbeitung der Zähler an. Mittels selbst entwickelter Maschinen zur Demontage und Reinigung sowie zur Nachbearbeitung der Gehäuse ist es dem Unternehmen gelungen, bei geringem Kostenaufwand Zähler wieder so aufzubereiten, dass diese hinsichtlich ihrer Qualität von einem Neuteil nicht zu unterscheiden sind. Hierdurch können 30 % der Messing- und Elektronikteile eingespart werden. Insbesondere Messing unterlag in den letzten Jahren stark schwankenden Rohstoffpreisen und stellte damit ein hohes Risiko für das Unternehmen dar. Zusätzlich können pro Jahr ca. 150.000 kWh Energie bei der Produktion der Zähler eingespart werden [6].

REFURBISHMENT

Durch ein Refurbishment werden gebrauchte Produkte so aufgearbeitet, dass diese nach einer Retour wieder in den Verkauf gelangen können. In den meisten Fällen wird das Produkt hierfür auseinandergebaut, gereinigt, neu zusammengesetzt und anschließend getestet (Generalüberholung). Außerdem werden defekte oder stark abgenutzte Teile (Verschleißteile) ausgetauscht. Im Gegensatz zur Reparatur wird hier neben der bloßen Behebung eines Fehlerzustandes also auch die optische Erscheinung „aufpoliert“. Der Zustand des Produktes wird hierdurch zwar gegenüber einem gebrauchten Gerät verbessert, ist jedoch nicht mit dem Zustand eines Neuproduktes vergleichbar. Daher werden diese Produkte auch meist zu einem geringeren Preis verkauft und es wird über gesetzliche Gewährleistung hinaus herstellerseitig keine zusätzliche Garantie eingeräumt.

-> Beispiel

Refurbishment von Maut-Systemen

Die Firma Toll Collect GmbH organisiert das Maut-System auf deutschen Autobahnen. Um die Maut korrekt abzurechnen, ist spezielles Equipment notwendig, welches die anfallenden Kosten pro LKW ermittelt. Unter anderem wird hier eine "On-Board-Unit" (OBU) verwendet, welche in jedem LKW hinterlegt ist. Mittels GPS ermittelt die OBU, welche mautpflichtigen Straßen vom LKW genutzt wurden, und leitet diese Informationen automatisch an Toll Collect weiter. Die OBU werden dabei nur an den Spediteur verliehen. Sobald ein Fahrzeug außer Betrieb genommen oder das OBU aus anderen Gründen nicht mehr benötigt wird, muss es Toll Collect zurückgegeben werden. Für den Verlust einer OBU wird daher sogar Schadenersatz fällig. Im Werk werden die OBU anschließend für einen erneuten Einsatz aufbereitet, indem diese getestet, gereinigt und ggf. repariert werden. Bis zu 16-mal kann eine OBU wiederaufgearbeitet werden, bis diese nach einer internen Prozessvorgabe endgültig verschrottet wird. Da die OBU in den meisten Fällen jedoch nur selten ausgetauscht werden, ist seit Einführung der Systeme bisher nur eine OBU aus diesem Grund verschrottet worden. Insgesamt befinden sich über 770.000 Geräte im Einsatz auf Deutschlands Straßen. Die ältesten OBU stammen dabei aus dem Start des Toll-Collect-Systems 2003 [7].

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