Effiziente Betriebsorganisation

Teil 1 >  Ressourceneffizienz, Anwendungsbereich, Grenzen
Teil 2 >  Wege der Umsetzung und Beispiele

NUTZUNG DES MITARBEITERPOTENZIALS

Die Nutzung des Mitarbeiterpotenzials bezogen auf die Steigerung der betrieblichen Ressourceneffizienz ist ein wichtiger und interessanter Stellhebel. Auf Basis seiner Fachkompetenz und seines individuellen Blicks auf die Produktentwicklungs- oder Produktionsprozesse ist der Mitarbeiter in der Lage, eigenständig Einsparpotenziale bezogen auf Material und Energie zu entdecken, seinem Umfeld mitzuteilen und Maßnahmen zu entwickeln. Dieses Mitarbeiterpotenzial sollte von der Führungskraft entdeckt und gefördert werden. Dies kann z. B. durch die Teilnahme des Mitarbeiters an kontinuierlichen Verbesserungsprozessen oder Ideenmanagementprogrammen passieren. Eine wichtige Voraussetzung für die „Freilegung“ des Mitarbeiterpotenzials ist die Mitarbeitermotivation. Der Mitarbeiter muss motiviert sein, sich einzubringen, kreativ zu sein, Ideen einzubringen, Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Die Mitarbeitermotivation geht oftmals mit der Identifikation mit den Unternehmenswerten einher.

Des Weiteren ist die Kommunikation zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen und Hierarchieebenen entscheidend bei der Umsetzung von Projekten, insbesondere zum Thema Ressourceneffizienz. Der Mitarbeiter aus den betroffenen Produktionsbereichen möchte ausreichend von der übergeordneten Ebene informiert und eingebunden sein. Dadurch fühlt er sich ernst genommen und ist gewillt, im Rahmen seines Kompetenzpotenzials mitzuarbeiten. Die Mitarbeiter sind in der Regel das wichtigste Element bei der Umsetzung von Verbesserungsprozessen, sie sammeln und werten Daten aus und sind vor allem an einer erfolgreichen und zielgerichteten Umsetzung des Projektes beteiligt [2, S. 83].

Eine fachübergreifende Zusammenarbeit in interdisziplinären Projektteams ist in der Regel besonders fruchtbar im Hinblick auf das Arbeitsergebnis, denn oftmals sind die Problemstellungen (z. B. zu hoher Ölverbrauch einer Umformanlage) in der Industrie komplex und erfordern die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachbereiche. Die Mitarbeiter treffen sich regelmäßig (z. B. in Workshops) und tragen gemeinsam mit gebündelter Fachkompetenz zur Reduzierung des Material- und Energieverbrauchs bei [3].

-> Beispiel

Steigerung der Ressourceneffizienz durch Nutzung der Mitarbeiterkompetenz

Eine Weberei stellt Teppiche und Fußmatten für Fahrzeuge her. Bei der Fertigung ihrer Produkte musste das Unternehmen dabei bisher ca. 220.000 Euro Materialverlust für die Stanzbearbeitung und das Cutten einkalkulieren. Um diese hohen Kosten zu verringern, wurde ein extern moderiertes, abteilungsübergreifendes Projektteam gebildet, welches Material- und Informationsflüsse im Unternehmen analysieren und Lösungen zur Verbesserung ausarbeiten sollte. Darüber hinaus wurde ein Teamentwicklungsprozess angestoßen, der die Kommunikations- und Kooperationskultur adressierte und damit den Grundstein für einen längerfristigen Veränderungsprozess zu mehr Materialeffizienz legen sollte. Die vielfältigen im Rahmen des Projektes umgesetzten Maßnahmen, wie z. B. Einführung einer Schnittoptimierung, optimierte Maschinenbedienung oder Anpassung der Beschaffung hinsichtlich passender Rollenbreiten, führten zu einer Reduktion des Materialverlustes um 17 % (ca. 40.000 Euro/Jahr). Darüber hinaus kann das Unternehmen auch in Zukunft durch den Kulturwandel und die durch den fachübergreifenden Austausch erhöhte Mitarbeiterkompetenz profitieren [4].

QUALIFIZIERUNG VON MITARBEITERN

Durch die Teilnahme an fachspezifischen Weiterbildungen erlangt der Mitarbeiter eine Verbesserung seines Fachwissens. Dadurch kann er ein gesteigertes Verständnis für Prozesse aus seinem Arbeitsumfeld (Produktentwicklung, Produktion) entwickeln. Somit ist er in der Lage, Verbesserungen in der Produktentwicklung oder Potenziale für eine Effizienzsteigerung von Fertigungsschritten und -verfahren zu erkennen und umzusetzen. Die hieraus resultierenden Verbesserungsmaßnahmen resultieren in der Regel in Material- und Energieeinsparungen im betreffenden Prozess oder Prozessschritt. Oftmals kann der Mitarbeiter über die Teilnahme an einer fachspezifischen Weiterbildung nicht alleine entscheiden, sondern nur in Absprache und mit der Genehmigung der Führungskraft. Führungskräfte müssen dann den Aufwand (Weiterbildungskosten) gegen einen möglichen Nutzen abwägen (Menge an eingespartem Material und Energie).

-> Beispiel

Schulung der Mitarbeiter zum Thema Effizienz

Ein Haushaltsgerätehersteller hat sich zum Ziel gesetzt, die Energieeffizienz in überwiegend allen Unternehmensbereichen zu steigern. Dies soll durch Identifikation und Umsetzung geeigneter Maßnahmen erfolgen. Eine grundsätzliche Voraussetzung hierfür beinhaltet die Mitarbeiterqualifikation und -motivation. Im Rahmen von Schulungen werden die Mitarbeiter zu grundlegenden und vertiefenden Energieeffizienzthemen geschult. Die Schulungen verfolgen dabei einen interdisziplinären und mehrstufigen Ansatz. Zudem werden den Mitarbeitern Gestaltungsspielräume zur Mitwirkung eingeräumt. Durch die Übernahme von Verantwortung wird der Mitarbeiter motiviert, das Erlernte erfolgreich umzusetzen. Ein Nebeneffekt liegt hierbei in der Identifikation mit der Arbeit und dem Unternehmen [5, S. 35].

Parallel zu den Mitarbeiterschulungen wurde auch ein Motivations- und Coaching-Konzept für Führungskräfte umgesetzt. Dabei wurden Methoden vorgestellt, mit denen die Führungskräfte ihre Mitarbeiter zu „Ideengebern für Verbesserungen in ihrem Fachbereich entwickeln können“ [5, S. 34 f.].

ABGESTIMMTE UND VERBINDLICHE ARBEITSABLÄUFE

Werden mit dem Mitarbeiter verbindlich Arbeitsabläufe und Vorgaben für eine geregelte Schichtübergabe abgestimmt, können aufgrund von Fehlervermeidung Ausschüsse reduziert werden. Ausschüsse entstehen immer dann, wenn die Qualitätsvorgaben, z. B. aufgrund von Fertigungsfehlern, nicht eingehalten werden. Ein Ausschussbauteil bedingt stets einen höheren Material- und Energieaufwand aufgrund des wiederholt zu fertigenden Bauteils.

Verbindliche Arbeitsabläufe werden meistens in Form detaillierter Arbeitsanleitungen mit dem Mitarbeiter abgestimmt. Eine Arbeitsanleitung enthält exakte Vorgaben, wie der Mitarbeiter eine bestimmte Arbeit ordnungsgemäß auszuführen hat. Sämtliche auszuführenden Arbeitsschritte werden darin detailliert und in verständlicher Weise mit allen notwendigen Informationen dargestellt. Wenn notwendig, werden technische Zeichnungen inklusive der Fertigungstoleranzen angegeben [6].

-> Beispiel

Arbeitsanleitung für den Bau eines Schraubstocks

Ein Schraubstock für Bohrmaschinenständer besteht aus mehr als 20 Einzelteilen. Um eine schnelle Produktion im Rahmen der Qualitätsvorgaben zu erreichen, ist eine detaillierte Arbeitsanleitung für die mit der Produktion betrauten Mitarbeiter notwendig. Halten sich die Mitarbeiter an die Vorgaben in der Anleitung, dann wird Ausschuss, beispielsweise in Form eines Bauteils, welches nicht den technischen und qualitativen Anforderungen entspricht, vermieden. Der Mehraufwand an Material und Energie für ein neues Bauteil entfällt demnach.

In der detaillierten Arbeitsanleitung für den Bau eines Schraubstocks sind alle Arbeitsschritte in einer vorgegebenen Reihenfolge festgelegt und beschrieben. Zudem sind sämtliche Bauteilzeichnungen inklusive der Einheiten und zu fertigenden Toleranzen beigefügt. Weiterhin sind die Eigenschaften der Bauteilmaterialien mit angegeben, damit die richtige Wahl eines Betriebsmittels (z. B. Kühlschmierstoff) mit geeigneten Stoffeigenschaften getroffen werden kann [7].

Teil 1 >  Ressourceneffizienz, Anwendungsbereich, Grenzen
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