Kurs: Kreislaufführung im verarbeitenden Gewerbe

Zero-Waste als Unternehmensstrategie

Zero-Waste als Unternehmensstrategie

Die Zero-Waste-Strategie als Unternehmensstrategie ist eine Variante, Ressourceneffizienz zu adressieren. Die Zero-Waste-Strategie folgt dem Prinzip, Abfälle in erster Linie zu vermeiden, in zweiter Instanz eine Wiederverwendung anzustreben und alle nicht vermeidbaren Abfälle durch ein Recycling im Kreislauflauf zu halten.* Zero Waste Europe (2024): Why a zero waste vision? (online), 18.07.2024 (abgerufen am: 03.09.2024).

Was sind wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zero-Waste-Strategie?

Für die erfolgreiche Umsetzung einer Zero-Waste-Strategie im Unternehmen ist es wichtig, die einzelnen Wertschöpfungsstufen zu betrachten bzw. die Mitarbeitenden im Unternehmen über den Prozess zu informieren und in diesen einzubinden bzw. sie mitzunehmen.

Spezifische Maßnahmen in Unternehmensbereichen zur Integration einer Zero-Waste-Strategie

Produktentwicklung: Entwicklung langlebiger, reparierbarer und leicht recycelbarer Produkte und Reduktion von Verpackungsmaterialien

Einkauf: Achten auf nachhaltig agierende Lieferant*innen und Erstellung von Leitlinien zur ökologischen Beschaffung

Produktion: Minimierung von Material- und Energieverbräuchen und Kreislaufführung nicht vermeidbarer Materialströme; digitale Datenerfassung und Analyse in Echtzeit zur Steigerung der Prozesstransparenz

Büro und Verwaltung: Bestrebungen hinzu papierlosem Büro; konsistente Abfalltrennung; Dokumentation der Aktivitäten rund um die Zero-Waste-Strategie in einem transparenten Monitoring bzw. Berichtswesen, z. B. in Nachhaltigkeitsberichten 

Marketing: Wettbewerbsvorteile durch gezielte Kommunikation der erfolgten Maßnahmen; Außenkommunikation, um bspw. unternehmenseigene Rücknahmeprogramme aufzubauen und zu festigen oder die Bindung zwischen Produkt und Unternehmen zu stärken.

Methodik und Werkzeuge des Stoffstrommanagements

Die Ausrichtung eines Unternehmens auf eine Zero-Waste-Strategie bedeutet, Stoff- und Energieströme im Unternehmen zu erfassen, zu analysieren und durch Maßnahmen zu reduzieren. Hierzu kann in einem ersten Schritt ein Stoffstrommanagement umgesetzt werden. 

Die Ziele eines Stoffstrommanagements umfassen   

Methodik der Stoffstromanalyse

Im Rahmen eines Stoffstrommanagements kann die Stoffstromanalyse die genannten Ziele innerhalb des Betriebs konkretisieren und priorisieren, um eine betriebliche Entscheidungsunterstützung zu ermöglichen. Das für die Stoffstromanalyse gewählte Ziel definiert den Umfang der Analyse sowie den Detaillierungsgrad der Datenerhebung. 

© Eigene Darstellung auf Basis von Fresner, J.; Bürki, T. und Sittel, H.H. (2009): Ressourceneffizienz in der Produktion. Kosten senken durch Cleaner Production, Symposion Publishing GmbH, Düsseldorf, ISBN 978-3-939707-48-6.

Das Stoffstrommanagement setzt eine Stoffstromanalyse der unternehmensbezogenen Input- und Output-Ströme voraus.* Umweltbundesamt (2024): Stoffstromanalyse (online), 03.09.2024 (abgerufen am: 03.09.2024). Die Methodik der Stoffstromanalyse folgt dabei der in der folgenden Abbildung dargestellten Vorgehensweise.* Fresner, J.; Bürki, T. und Sittel, H. H. (2009): Ressourceneffizienz in der Produktion - Kosten senken durch Cleaner Production, Symposion Publishing GmbH, Düsseldorf, ISBN 978-3-939707-48-6.

Werkzeuge des Stoffstrommanagements

Sammlung der notwendigen Kennzahlen

Kleine und mittlere Unternehmen können für die Informationssammlung beispielsweise ein qualifiziertes Manufacturing Execution System (MES) einsetzen. Dabei handelt es sich um ein System, das dem Management die Fertigungsdaten des Unternehmens zur Verfügung stellt. Umgesetzt wird es in der Regel als modulares IT-System, welches an die Anforderungen des Unternehmens angepasst wird (siehe virtuelle Simulation von Prozessketten).* Verein Deutscher Ingenieure e.V. (2016): VDI 5600 Blatt 1 - Fertigungsmanagementsysteme (Manufacturing Execution Systems - MES) (online), 3. September 2024 (abgerufen am: 03.09.2024).

Wird ein Nachhaltigkeitsmodell innerhalb des MES integriert, können so für bestimmte Produkte und Zeiträume Nachhaltigkeitsgrößen (z. B. durch die Aufzeichnung der Wertströme in der Produktion und ihrer Bewertung) ermittelt und verwaltet sowie Ziele in Form von Messgrößen definiert werden.* Schäfer, R., 14. Dezember 2011: MES zeigt aus der Fertigung Kennzahlen zur Nachhaltigkeit (online). In: MM MaschinenMarkt (abgerufen am: 03.09.2024).

Analyse der gesammelten Daten

Für die Analyse der gesammelten Daten selbst existieren einige Software-Programme, die sich bereits bewährt haben und mit deren Hilfe sich aus zuvor gesammelten Daten Stoffstromanalysen erstellen lassen. Die Ergebnisse können anschließend in Diagrammen veranschaulicht und genutzt werden, um unterschiedliche Verbesserungsmaßnahmen zu bewerten und miteinander zu vergleichen.* ifu (2024): Stoffstrommanagement (MFA) - Definition | iPoint-systems (online) (abgerufen am 09.09.2024).

Einbau des Materialflusskostenrechners

Um prozessbedingte Materialverluste aufzudecken, kann eine Materialflusskostenrechnung nach DIN EN ISO 14051 nützlich sein. Als erste Hilfestellung kann unter anderem der Materialflusskostenrechner des VDI ZRE dienen. In dem Online-Tool können anhand von Material-Input- und -Output die Prozesskosten ermittelt und dabei die Höhe der monetären Materialverschwendung aufgedeckt werden. Mithilfe dieser Informationen lässt sich einschätzen, wie hoch das Einsparpotenzial ist und welcher Prozess die höchsten Ausschussmengen verursacht, um dort mit der Prozessoptimierung zu beginnen. 

Einbau des KEA-KRA-THG-Rechners

Das VDI ZRE bietet zudem Instrumente wie die Ressourcenchecks oder den KEA-KRA-THG-Rechner an. Ressourcenchecks helfen, mögliche Potenziale für eine höhere Ressourceneffizienz im Unternehmen offenzulegen und Ansatzpunkte zur Optimierung bzw. Materialeinsparung zu identifizieren. Mithilfe des KEA-KRA-THG-Rechners lassen sich unter anderem der Energie- und Rohstoffaufwand sowie Treibhausgas-Emissionen berechnen. 

Einbindung von Mitarbeitenden

Die Kompetenz der Mitarbeitenden ist eine treibende Kraft der Innovationsfähigkeit eines Unternehmens. Gerade bereichsübergreifende Mitarbeitenden- und Projektteams können hier ein gebündeltes Know-how bilden, über welches Arbeitsweisen, Ziele und Strategien anderer Wertschöpfungsstufen im Unternehmen nachvollziehbar und in die eigenen Tätigkeitsabläufe integriert werden können. Dies trägt dazu bei, Ressourceneffizienzpotenziale im Unternehmen aufzudecken und gemeinsam Lösungsoptionen abzuleiten. 

Um eine Ressourceneffizienz im Betrieb zu erreichen, ist das Engagement der Mitarbeitenden unerlässlich. Mitarbeitende sollten nicht nur für das Thema sensibilisiert, sondern auch aufgefordert werden, eigene Ideen für einen effizienten Arbeitsplatz einzubringen.* WEKA Redaktion (2019): Abfallvermeidung im Unternehmen | WEKA (online), 6. Mai 2022 (abgerufen am: 03.09.2024).