Prozessüberwachung und -steuerung von modularisierten Anlagen

Die Modularisierung im Anlagenbau schreitet voran. Die Struktur für die zu übertragenden Daten sollte bereits in der Planungsphase festgelegt werden. Sie ermöglicht in der Betriebsphase die Kommunikation zwischen den Modulen und unterstützt die Dokumentation über den gesamten Lebenszyklus. Eine Möglichkeit hierfür bietet die Richtlinie VDI/VDE/Namur 2658 in Form des Module Type Package (MTP). In der Richtlinie werden das Engineering modularer Anlagen, die Architektur des MTP, die Kommunikationsschnittstellen und potenzielle herstellerunabhängige Protokolltypen dargelegt. [Makarov, O. und Kempf, J. (2019)]. Sie beschreibt hersteller- und technologieneutral die Eigenschaften eines Prozessmoduls. Dies führt nicht nur zu einer einfacheren Verwendung unterschiedlicher Module, sondern verringert auch den Programmieraufwand im Bereich der SPS-Steuerung, da diese die notwendigen Daten direkt aus den im MTP-Format erfassten Daten auslesen kann. [Koblmiller, C. (2019)]

Die Vereinheitlichung der Datenübertragung beugt neben der Erleichterung einer Anpassung der Anlagen auch Fehlern vor und verhindert so mögliche Nacharbeiten, welche unnötig Ressourcen binden würden. Bei der Programmierung der Programmsteuerung ist bei der Modularisierung der Anlage darauf zu achten, dass die Softwaremodule für die einzelnen Anlagenmodule getrennt existieren. [Makarov, O. und Kempf, J. (2019)]

Neben all den positiven Effekten sollte allerdings der Schulungsaufwand für die Modularisierung nicht unterschätzt werden. Die Wartung einer modularen Einheit erfolgt anders als bisher und darauf müssen die Fachkräfte geschult werden. Auch die verbesserte Möglichkeit zur Visualisierung der Betriebsdaten durch das MTP-Format kann für Mitarbeitende schwierig werden, insbesondere wenn bisher hauptsächlich mit stationären Bildschirmen oder sogar physischen Datenblättern gearbeitet wurde. Dieser erhöhte Schulungsaufwand besteht allerdings hauptsächlich am Anfang und verringert sich mit der zunehmenden Modularisierung der Anlagen. [Makarov, O. und Kempf, J. (2019)]

Die Vereinheitlichung des Datenmanagements ermöglicht es hier, den Programmieraufwand durch die Erstellung einer Softwaremoduldatenbank zu verringern. Auf diese Weise kann bei sich wiederholenden Aufgaben in verschiedenen Modulen auf das gleiche Softwarepaket zurückgegriffen werden, wodurch dieses nur einmal programmiert werden muss. Zudem verringert sich die Anforderung an die Programmierkenntnisse des Anpassers, da bestehende Module nur noch verschachtelt werden müssen. Zudem verringert sich die Fehleranfälligkeit der Software aufgrund der Verwendung von Softwaremodulen, wodurch Ressourcen für potenzielle Nacharbeiten eingespart werden. [Makarov, O. und Kempf, J. (2019)]


Literatur:

Koblmiller, C. (2019): MTP-Projekte: Umstellen, anschließen – produzieren [online]. prozesstechnik online, 17.10.2019 [abgerufen am: 01.02.2021].

Makarov, O. und Kempf, J. (2019): So gelingt modulares Anlagendesign kinderleicht [online]. PROCESS, 28.03.2019 [abgerufen am: 17.02.2021].

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Einschätzung für die Anwendenden

  • Materialeinsparung
    hoch
  • Energieeinsparung
    hoch
  • THG-Einsparung
    hoch
  • Investitionskosten
    gering
  • Umsetzungsaufwand
    gering

Die Angaben zu Material-, Energie- und THG-Einsparungen, Investitionskosten sowie Umsetzungsaufwände sind qualitative Abschätzungen auf vergleichender Basis.

Entwicklungsstadium

  • Labor
  • Technikum / Demonstrator
  • Industrielle Praxis

Labor: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird im Labormaßstab entwickelt.
Technikum / Demonstrator: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird in einer Technikums- oder Demonstrator-Anlage umgesetzt.
Industrielle Praxis: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird in der Produktion oder anderen Anwendungsbereichen eines Industrieunternehmen eingesetzt.

Beispiele aus der Praxis

MTP erleichtert die Anlagenmodularisierung

Um in der modularen Produktion in einer digitalen Industrie eine hohe Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten zu haben und auf variierende Kundenwünsche reagieren zu können, brauchen heutige Prozessanlagen einen neuen digitalen modularen Ansatz.

Hierfür gibt es die Technik Modul Type Package (MTP). In dieser werden digitale Beschreibungen und Integrationsinformationen eines Anlagenmoduls in einem standardisierten Format gespeichert, welche anschließend in geeigneten Tools zusammengefügt und aufeinander abgestimmt werden. Mit diesen digital erweiterten Modulen können schließlich schneller und einfacher automatisierte modulare Anlagen flexibel umgestaltet werden. So haben auch die Konzerne GEA und Siemens diese Technologie an einer Plug & Win-Separationsanlage demonstriert. Dabei wurden MTP benutzt, um Prozessdaten, Services und Diagnosedaten aus der Steuerung zu importieren und somit die Notwendigkeit langwieriger Programmierungen zu ersetzen.

Durch diese Technik wird die Austauschzeit der modularen Bauteile deutlich reduziert, was Stillstandzeiten verringert und somit Kosten minimiert. Auch Fehler durch nicht abgestimmte Module können verhindert werden, was zu Ressourceneinsparungen führen kann. Außerdem kann durch diese neu erlangte höhere Flexibilität der Anlagen die Time-to-Market-Zeit verringert werden.

Modul Type Package Designer

Um Modifikationen an modularen Anlagen zu vereinfachen, ist einigen Anbietenden der MTP-(Modul- Type-Package-)Ansatz ein Begriff. Dabei werden Module als wiederverwendbare vorautomatisierte Bauteile gespeichert und können dann in einem übergeordneten Automatisierungssystem digital beschrieben werden. Die Phoenix Contact GmbH entwickelte ebenfalls eine Technik, um den Gebrauch von MTPs leichter umzusetzen.

Es handelt sich dabei um das Modul-Engineering-Tool MTP-Designer, mit dem die R&I-Schemata der Verfahrenstechniker schnell und einfach in eine Visualisierung umgewandelt und übernommen werden können. Somit wird der Programmierungsaufwand des Modulprogrammierers deutlich reduziert bzw. entfällt teilweise sogar komplett. Das erleichtert sowie beschleunigt die Arbeit und spart auf diese Weise Zeit und Geld ein.

Das Ziel dieser Technik ist es, einzelne Module separat zu automatisieren und mit einer eigenen Steuerung auszustatten, um diese nur noch mechanisch verbinden zu müssen. Durch die Zeiteinsparung des Programmierens können lange Umbauzeiten vermieden werden, was zu einer hohen Flexibilität der Produktion beiträgt. Durch die einfache Wiederverwendung und Separation der Module können Nacharbeiten vermieden und ein zusätzlicher Ressourceneinsatz reduziert werden.

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