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Gute-Praxis-Beispiel des Monats: Fernwärme aus Industrieabwärme

21. März 2017

© VDI ZRE

Wer „Industriegebiete“ hört, denkt oft an qualmende Schornsteine und Umweltbelastung. Dieses Bild gehört aber immer mehr der Vergangenheit an. Ressourceneffizienz und Klimaschutz sind zunehmend auch an deutschen Industriestandorten wichtig. Das hat manchmal nicht nur Vorteile für das Unternehmen sondern auch für die Bewohner drumherum. Das Gute-Praxis-Beispiel des Monats zeigt, wie die Abluft eines Industrieunternehmens als Fernwärme für einen gesamten Stadtteil in Hamburg genutzt.

Wie entsteht die Industrieabwärme?

Der Kupferkonzern Aurubis AG produziert Kupferkathoden und daraus diverse Kupferprodukte. Ein Nebenprodukt der Kupferschmelze ist Schwefeldioxid, das in einer Kontaktanlage in Schwefelsäure umgewandelt wird. Dabei entsteht Wärme, die durch drei Stränge in der Anlage ausgekoppelt werden kann. Aus einem Strang können pro Jahr etwa 160 Millionen Kilowattstunden gewonnen werden.

Wie wird aus Industrieabwärme Fernwärme?

Im Februar 2017 unterzeichneten die Aurubis AG und die enercity Contracting Nord GmbH einen Vertrag, dass ab April 2018 ein Teil der ausgekoppelten Wärmemenge (70 Millionen Kilowattstunden) zur Versorgung der Hafencity Ost eingesetzt werden soll. Aurubis soll die Wärme bis an die Werksgrenze liefern, enercity kümmert sich um Besicherung und Weitertransport der Wärme zu den jeweiligen Nutzungsgebieten. Durch die ausgekoppelte Wärmemenge würde die Hafencity Ost fast ausschließlich mit der Abwärme von Aurubis versorgt werden.

Wie hoch ist das Einsparungspotenzial der geplanten Zusammenarbeit?

Aurubis nutzt einen Teil der industriellen Abwärme selbst und kann so auf den Einsatz von Erdgas zur Dampferzeugung verzichten. Dadurch kann der Kupfererzeuger rund 10.000 Tonnen CO2 im eigenen Betrieb einsparen. Die Hafencity Ost kann im Endausbau (Ziel ist 2029) rund 4.500 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Würden alle drei Stränge der Kontaktanlage Wärme auskoppeln, könnten insgesamt fast 500 Millionen Kilowattstunden gewonnen werden. Es könnte also noch mehr Fernwärme für die Stadt Hamburg geliefert werden. Die CO2-Einsparung würde sich dann auf 140.000 Tonnen erhöhen.

Wie hoch sind die Investitionen?

Aurubis investiert etwa 17 Millionen Euro in die Umrüstung der Anlagen und den Umbau der Wärmetrassen bis zur Werksgrenze. enercity Contracting Nord, die den Weitertransport übernimmt, investiert etwa 16 Millionen Euro in die Zusammenarbeit und baut neben einer Energiezentrale, die Bedarfsschwankungen ausgleichen soll, auch Wärmetransportleitungen von der Werksgrenze zum Wärmeversorgungsgebiet.

Wird das Projekt gefördert?

Beide Partner erhalten für das Projekt Förderungen. Über dreißig Prozent der Investitionssumme von Aurubis wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert. enercity Contracting Nord wird voraussichtlich Förderungen von BMWi und dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) in ähnlicher Größenordnung erhalten.

Die zukünftige Zusammenarbeit zwischen dem Industrieunternehmen Aurubis und dem Energieunternehmen enercity Contracting Nord hat Beispielcharakter. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat die vereinbarte Fernwärmelieferung als eines von zehn Fallbeispielen zum Projekt „Leuchttürme energieeffiziente Abwärmenutzung“ erklärt.

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