Power-to-Gas – Grüner Wasserstoff

Die elektrochemische Herstellung von Wasserstoff (H2) aus Wasser (H2O) unter Einsatz elektrischer Energie aus regenerativen Quellen (Solar-, Windkraft- und Wasserkraftanlagen) ist der zentrale Teilprozess aller Power-to-X-Verfahren. Der Elektrolyseprozess kann dabei zentral oder dezentral erfolgen. Der produzierte Wasserstoff wird als grüner Wasserstoff bezeichnet. [BMBF (2020)] Dieser kann direkt energetisch oder stofflich genutzt werden oder in weiteren Prozessschritten zusammen mit Kohlenstoffdioxid (CO2) aus Abgasen oder der Umgebungsluft zu Methan (CH4), Methanol (CH3OH) oder verschiedenen Kraftstoffen reagieren. [Bünger, U. et al. (2017), S. 329]

Bei der Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff (Wasserelektrolyse) können grundsätzlich zwei Verfahrensvarianten unterschieden werden: Niedertemperatur-(NT)-Elektrolyse und Hochtemperatur-(HT)-Elektrolyse: Die Niedertemperatur-Elektrolyse findet bei Temperaturen zwischen 50 °C und 80 °C statt und ist relativ unempfindlich gegenüber wechselnden Lasten. In der Literatur wird der Wirkungsgrad mit ca. 65 % angegeben. Durch kontinuierliche Verbesserungen im Verfahren soll der Wirkungsgrad bis 2030 auf etwas mehr als 70 % erhöht werden. Zurzeit sind NT-Elektrolyseure im einstelligen MW-Bereich als Demonstrator-Anlagen verfügbar [Bünger, U. et al. (2017), S. 334], [Heinemann, C. et al. (2019), S. 17 f.].

Die Hochtemperatur-Elektrolyse wird bei Temperaturen zwischen 800 °C und 1000 °C durchgeführt und eignet sich daher nicht für Lastwechsel. Dafür weisen HT-Elektrolyseure im Vergleich zu NT-Elektrolyseuren die höheren Wirkungsgrade auf: zurzeit liegen diese bei 81 %. [Bünger, U. et al. (2017), S. 334], [Heinemann, C. et al. (2019), S. 18].

Die Nutzung von regenerativ produzierter elektrischer Energie zur Herstellung von Wasserstoff und weiterer strombasierter Stoffe kann somit künftig zum Klimaschutz beitragen, da hierbei gänzlich auf den Einsatz fossiler Stoffe verzichtet wird. Allerdings liegen die Energieverluste, die bei Herstellung, Transport und Speicherung strombasierter Stoffe auftreten, zwischen 40 % und 55 %. Doch lassen sich die Verluste aufgrund von Prozessverbesserungen künftig auf 30 % bis max. 50 % reduzieren. [Heinemann, C. et al. (2019), S. 16]

Daher gilt die Herstellung und Verwendung von grünem Wasserstoff und weiteren strombasierten Stoffen als Substitut von fossilbasierten Stoffen erst dann als zuträglich für den Klimaschutz, sobald Maßnahmen wie Effizienzsteigerungen bestehender Prozesse und Nachfragevermeidung zum Tragen gekommen sind und ausgereizt wurden [Heinemann, C. et al. (2019), S. 8].


Literatur: 

Bundesministerium für Bildung und Forschung - BMBF (2020): Eine kleine Wasserstoff-Farbenlehre [online]. BMBF, 07.01.2022 [abgerufen am: 07.01.2022].

Bünger, U.; Michalski, J.; Schmidt, P. und Weindorf, W. (2017): Wasserstoff – Schlüsselelement von Power-to-X. In: Töpler, J. und Lehmann, J., Hg. Wasserstoff und Brennstoffzelle. 2. Auflage, Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg.

Heinemann, C.; Kasten, P.; Bauknecht, D.; Bracker, F. J.; Bürger, V.; Emele, L.; Hesse, T.; Kühnle, S.; Seebach, D. und Timpe, C. (2019): Die Bedeutung strombasierter Stoffe für den Klimaschutz in Deutschland. Öko-Institut e.V., Freiburg i. Br. [abgerufen am: 22.12.2021].

 

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Einschätzung für die Anwendenden

  • Materialeinsparung
    sehr hoch
  • Energieeinsparung
    mittel
  • THG-Einsparung
    mittel
  • Investitionskosten
    sehr hoch
  • Umsetzungsaufwand
    sehr hoch

Die Angaben zu Material-, Energie- und THG-Einsparungen, Investitionskosten sowie Umsetzungsaufwände sind qualitative Abschätzungen auf vergleichender Basis.

Entwicklungsstadium

  • Labor
  • Technikum / Demonstrator
  • Industrielle Praxis

Labor: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird im Labormaßstab entwickelt.
Technikum / Demonstrator: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird in einer Technikums- oder Demonstrator-Anlage umgesetzt.
Industrielle Praxis: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird in der Produktion oder anderen Anwendungsbereichen eines Industrieunternehmen eingesetzt.

Beispiele aus der Forschung und Entwicklung

H2Giga – Entwicklung einer Serienfertigung für Elektrolyseure hinsichtlich der Wasserstoffherstellung (Wasserstoffleitprojekt)

  • Technologieentwicklung gängiger Elektrolyse-Verfahren wie alkalischer H2O-Elektrolyse, PEM-Elektrolyse und Hochtemperatur-Elektrolyse für die Wasserstoffherstellung hin zur Serienfertigung
  • Weiterentwicklung nicht so gängiger Elektrolyse-Verfahren und Testen im größeren Maßstab
  • Entwicklung von übergreifenden Elektrolyse-Technologien, -Verfahren und Komponenten, z. B. bezogen auf neue Materialien und Fertigungstechnologien, höhere Lebensdauer und Recyclingfähigkeit der Komponenten, Automatisierungsmöglichkeiten

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H2Mare – Produktion von Wasserstoff direkt auf hoher See (Wasserstoffleitprojekt)

  • Entwicklung von Verfahren zur Gewinnung von Power-to-X-Einsatzstoffen wie Wasser, Kohlenstoffdioxid und Stickstoff direkt aus Meerwasser und -luft
  • Entwicklung eines effizienten und quasi-autark arbeitenden Wasser-Elektrolyseurs für raue Bedingungen auf See inklusive der Entwicklung von Wasseraufbereitungs- und ‑bereitstellungsverfahren
  • Integration eines kompakten Wasser-Elektrolyseurs für die Wasserstoffproduktion direkt in eine Windkraftanlage auf hoher See
  • Entwicklung von Verfahren zur direkten Weiterverarbeitung des auf See hergestellten Wasserstoffs in Ammoniak oder Methanol

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TransHyDE – Entwicklung einer Wasserstoff-Transport-Infrastruktur (Wasserstoffleitprojekt)

  • Entwicklung, Testung und Hochskalierung folgender Transport-Technologien:
  • Wasserstoff-Transport in Hochdruckbehältern
  • Transport von flüssigem Wasserstoff
  • Wasserstoff-Transport in bestehenden und neuen Gasleitungen
  • Transport von in Ammoniak gebundenem Wasserstoff

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Weitere Technologien

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