CO₂-Nutzung für chemische Grundstoffe

Bisher wird die Herstellung (ressourceneffizienter) Produkte in der chemischen Industrie häufig getrennt von anderen Industriezweigen betrachtet. Die entstehenden Emissionen könnten zum Teil durch einen Zusammenschluss der Betriebe aus verschiedenen Industriezweigen vermieden werden. Zudem würde so der Rohstoffbedarf gesenkt.

Ein solcher Zusammenschluss verschiedener Industriezweige kann beispielsweise aus einem Stahlwerk und einer Chemieanlage bestehen. Bei diesem Zusammenschluss werden die Hüttengase aus der Stahlherstellung in die Chemieanlage weitergeleitet. In der Chemieanlage werden diese Abgase dann gefiltert, denn insbesondere die metallurgischen Rückstände müssen entfernt werden. Für eine Weiterverarbeitung müssen die Gase zunächst im richtigen Verhältnis gemischt und anschließend in speziell hierfür entwickelte Katalysatoren weitergeleitet werden. Aus Wasserstoff, Stickstoff, Kohlenstoffmonoxid und Kohlenstoffdioxid wird so synthetisches Methanol oder Ammoniak gewonnen. Je nach Katalysator und verwendetem Verfahren können aber auch andere Synthesestoffe hergestellt werden. Anschließend werden die gewonnenen Stoffe für die Herstellung neuer Produkte verwendet. Auf diese Weise schließt sich der CO2-Kreislauf wieder. Um diese Verfahren wirtschaftlich und umweltfreundlich zu gestalten, bedarf es hocheffektiver Katalysatoren und des Einsatzes erneuerbarer Energien.

Zu beachten ist zudem, dass der aus der Stahlproduktion anfallende Wasserstoff nicht für die chemischen Reaktionen ausreicht und zusätzlicher Wasserstoff benötigt wird. Daher ist es wichtig, dass dieser zusätzliche Wasserstoff auch klimafreundlich hergestellt wird. Dies kann beispielsweise über die Nutzung erneuerbarer Energien in einem elektrolytischen Verfahren erfolgen.


Literatur:

Stephan, D. (2017): Vom Abgas zum Rohstoff: Carbon2Chem macht Chemie aus CO2 [online]. PROCESS, 13.09.2017 [abgerufen am: 25.02.2021].

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Einschätzung für die Anwendenden

  • Materialeinsparung
    sehr hoch
  • Energieeinsparung
    gering
  • THG-Einsparung
    hoch
  • Investitionskosten
    sehr hoch
  • Umsetzungsaufwand
    sehr hoch

Die Angaben zu Material-, Energie- und THG-Einsparungen, Investitionskosten sowie Umsetzungsaufwände sind qualitative Abschätzungen auf vergleichender Basis.

Entwicklungsstadium

  • Labor
  • Technikum / Demonstrator
  • Industrielle Praxis

Labor: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird im Labormaßstab entwickelt.
Technikum / Demonstrator: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird in einer Technikums- oder Demonstrator-Anlage umgesetzt.
Industrielle Praxis: Die betrachtete Technologie oder Methodik wird in der Produktion oder anderen Anwendungsbereichen eines Industrieunternehmen eingesetzt.

Beispiele aus der Forschung und Entwicklung

Carbon2Chem – Dynamische Methanolproduktion aus Hüttengasen

  • Langzeittest einer Methanolanlage, welche Methanol aus Hüttengasen herstellt, mit Hilfe von variierenden Gaszusammensetzungen in Bezug auf Selektivität, Produktivität und Stabilität der Katalyse sowie Ausarbeitung
  • Dauerbetrieb von drei Testanlagen unterschiedlichen Maßstabs
  • Bestimmung der Einflüsse unterschiedlicher Parameter (z. B. Temperatur oder Druck) auf den Katalysator durch eine Online-Analytik
  • Gewinnung von Prozessdaten während der Laufzeit
  • Optimierung der Prozesse mit Hilfe von Prozesssimulationen und Regelkonzepten mit KI-Methoden
  • Scale-up der Laboranlage

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Carbon2Chem – Carbon2Polymers


  • Erforschung der Nutzung von CO und CO2 aus Abgasen der Stahlproduktion für die Polymerherstellung
  • Durchführung von Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsanalysen für die entwickelten Herstellungsverfahren
  • Erforschung und Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von Polycarbonaten
  • Starke Synergiepotenziale zwischen CO2-intensiven Industrien und Kunststoffherstellung
  • Kuppelgase als alternative Rohstoffbasis zur Minderung des fossilen Rohstoffbedarfs

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Carbon2Chem – Höhere Alkohole

  • Testen von neuen Katalysatormustern für die Herstellung von Alkoholen und Olefinen aus Hüttengasen und Entwicklung eines katalytischen Gesamtprozesses
  • Prüfung von Katalysatoren in unterschiedlich skalierten Testanlagen für das optimale Scale-up-fähige Katalysatordesign
  • Sammeln von Daten, mit welchen Aussagen über die Prozessdynamik und Langzeitstabilität der Katalysatoren getroffen werden können
  • Ausarbeitung von Optionen für das gewonnene Produktgemisch aus den Katalysatoren

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Carbon2Chem – Synthesegas

  • Untersuchung von katalytischen und thermischen Desorptions- und Adsorptionsprozessen zur Gasaufbereitung von synthetischen Hüttengasen und Testen der Robustheit dieser Prozesse
  • Thermokatalytische Deoxygenierung zur Entfernung von Sauerstoffspuren aus den Gasgemischen und Identifizierung geeigneter Katalysatoren
  • Deoxygenierung mit nichtthermischem Plasma für die weitere Untersuchung von Katalysatoren
  • Testen der Electric-Swing-Technologie, um Mikrokomponenten von den Gasen zu trennen
  • Simulation der thermischen Ad- und Desorptionsvorgänge
  • Untersuchung der Robustheit der gewählten Konzepte durch Langzeitversuche mit schwankenden Gaszusammensetzungen und -mengen

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Carbon2Chem – Systemintegration

  • Integration der in anderen Teilprojekten entwickelten Technologien in ein Gesamtsystem
  • Entwicklung prozesslogistischer Modelle für ökonomische und ökologische Analysen
  • Untersuchung erarbeiteter Betriebsweisen und Fahrpläne auf transientes Verhalten
  • Untersuchung der Ergebnisse auf Machbarkeit und Durchführung anhand einer Nachhaltigkeitsbewertung
  • Entwicklung und Nutzung einer Gesamtsystemsimulationsplattform

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CO2Form – CO2 zu Formaldehyd

  • Verfahrensentwicklung zur Herstellung von Formaldehyd aus Kohlenstoffdioxid
  • Untersuchung und Optimierung von Katalysatorsystemen für die Formaldehydherstellung
  • Einsparung von einem Teil Wasserstoff oder Kohlenmonoxid im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren zur Formaldehyderzeugung

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Bio-UGS – Gezielte biologische Umwandlung von Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff zu Methan in Poren-Untergrundspeichern

  • Bedarf an großvolumiger und effizienter Energiespeicherung, um Schwankungen der Energieerzeugung auszugleichen, steigt
  • Vorhandene Erdgasspeicher bieten Potenzial für biologische Erdgasbildung, um der bestehenden Infrastruktur eine neue Art der Nutzung zu ermöglichen
  • Erzeugung von synthetischem Methan mittels Mikroorganismen aus CO2 und grünem Wasserstoff
  • Erkundung mineralogisch-chemischer Reaktionen in Reservoirgesteinen und Einfluss auf Methanisierung
  • Ermittlung des Stimulationspotenziales von H2-CO2-Exposition auf mikrobielle Lagerstättengemeinschaften

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CO2Lubricants – Stoffliche Nutzung von CO2 zur Produktion biobasierter Schmierstoffe

  • Umwandlung von CO2 zu Schmierstoffen unter Anwendung von Algen und Hefen
  • Identifizieren von Algen mit einer hohen Produktionsmenge an Lipiden und Gewinnung der Lipide durch Hydrolyse
  • Algenrückstände dienen Ölhefen als Nahrung zur Lipidproduktion
  • Umwandlung der Algen- und Hefeöle zu Schmierstoffen
  • Optimierung des Reibungsverhaltens und der Geruchsbildung der Schmierstoffe

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DreamResource – CO2 für reaktive Polyole und grenzflächenaktive Substanzen

  • Entwicklung eines Verfahrens zur Herstellung von Kunststoffkomponenten mit einem CO2-Gehalt von bis zu 20 %
  • Herstellung von Polyolen und Polyurethan-Hartschaum auf Basis von Kohlenstoffdioxid und Ethylenoxid
  • Charakterisierung und Analyse der hergestellten Polyole
  • Durchführung von Anwendungstests der hergestellten Kunststoffkomponenten

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OptiMeOH – Optimierte Prozesskette zur resourceneffizienten Methanolsynthese

  • Verfahrensentwicklung für die Methanolsynthese
  • Theoretische und experimentelle Untersuchung eines innovativen Umwandlungsprozesses und eines neuartigen Reaktorkonzepts zur Synthese von Methanol
  • Umwandlung von Biomasse in zweistufiger Druckfermentation zu Biogas (Methan und Kohlenstoffdioxid)
  • Synthesegaserzeugung im Wabenreaktor
  • Durchführung grundlegender experimenteller Untersuchungen in Reaktoren für Drei-Phasensysteme

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Beispiele aus der Praxis

Erste Demonstrator-Anlage zur Herstellung von Polyurethanschaum aus CO2

Polyurethanschaum ist vielseitig einsetzbar und wird für die Herstellung von z. B. Matratzen und Polstermöbeln benötigt. Polyurethan wird aus Polyol gefertigt, das bisher aus fossilen Rohstoffen gefertigt wurde. Eine Alternative zum fossilen Rohstoff bietet das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid. Denn Kohlenstoffdioxid kann aus Industrieabgasen gewonnen werden.

Bei dem alternativen Verfahren zur Herstellung von Polyol reagiert das aus den Abgasen gewonnene Kohlenstoffdioxid bei Überdruck und hohen Temperaturen mit Propylenoxid unter Verwendung eines neuartigen Katalysators in einem Rührkessel. Im Durchschnitt wird für drei Polyolmoleküle ein Kohlenstoffdioxidmolekül benötigt. Aus dem nachhaltig hergestellten Polyol wird anschließend unter Verwendung von Isocyanat das Zielprodukt Polyurethanschaum produziert.

Dieser aus recyceltem Kohlenstoffdioxid hergestellte Schaum ist etwas steifer als der konventionell produzierte Schaum, woraus sich sukzessive zusätzliche Einsatzgebiete für den Schaum ergeben.
Für die Herstellung der Zwischenprodukte werden allerdings spezielle Katalysatoren benötigt. Um ein möglichst gutes Ergebnis bei der Nutzung von Kohlenstoffdioxidabgasen zu wirtschaftlichen Preisen erreichen zu können, empfiehlt sich hier die Verwendung eines edelmetallfreien ZnCl2-Katalysators. Dieser konnte im Vergleich zu anderen Katalysatorarten die bisher größten Ausbeuten erzielen.