Gründach

Gegenüber einer konventionellen Dachhaut bieten Gründächer folgende Vorteile:

  • Reduktion des Niederschlagswasserentgelts (Inzwischen erheben die meisten Gemeinden eine gesplittete Abwassergebühr, d. h. neben den Kosten für die Beseitigung von Schmutzwasser, die früher die alleinige Abrechnungsgröße darstellten, wird separat eine Gebühr für die Beseitigung des Niederschlagswassers versiegelter Grundstücksflächen berechnet. Diese reduziert sich für Flächen mit Gründächern.)
  • Längere Haltbarkeit wegen verminderter thermischer und mechanischer Belastung der Dachabdichtung durch Vegetations- und Substratschicht
  • Entlastung des kommunalen Kanalnetzes durch Rückhalt und Verdunstung von
    50–90 % des Niederschlags auf der Dachfläche
  • 3 % höherer Wirkungsgrad von Photovoltaikanlagen wegen deutlich geringerer Temperaturen im Sommer auf dem Dach
  • Reduktion innerstädtischer Hitzeinseln durch Abkühlung und Anfeuchtung der Luft aufgrund der Verdunstung von Gründächern
  • Bindung von Staub und Schadstoffen
  • Neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere
  • Reduktion des Platzbedarfs für Versickerungsanlagen oder Regenrückhaltebecken (Bei sehr geringem Platzangebot auf dem Grundstück kann ein Gründach die einzige Möglichkeit darstellen, den Eingriff in den natürlichen Wasserkreislauf zu minimieren.) [DDV (2011) S. 13, 41, 72, 75]

Neben der Reduktion des Niederschlagswasserentgelts erhöhen vielerorts Förderprogramme die Attraktivität von Gründächern. 17 % der deutschen Großstädte und 6 % aller deutschen Kommunen bieten eine spezielle Förderung an. Diese Zahlen bringen auch den besonderen Bedarf nach zusätzlichen Grünflächen in Großstädten zum Ausdruck. Die Förderung beträgt in der Regel 10 – 20 Euro/m². Gelegentlich wird auch ein bestimmter Anteil der Investitionskosten übernommen, meistens 50 % [DDV (2011) S. 36].

Technische Umsetzung

Es gibt drei Arten von Dachbegrünungen: die Extensivbegrünung, die einfache Intensivbegrünung und die Intensivbegrünung. Sie unterscheiden sich in ihrer Aufbauhöhe, welche direkten Einfluss auf das Regenrückhaltevermögen, die Bewuchsart, die Investitions- und Wartungskosten sowie die zusätzlich abzutragenden Dachlasten nimmt. Verfügt ein Flachdach über einen Kiesbelag, so kann dieser in den meisten Fällen problemlos durch eine Extensivbegrünung ersetzt werden, da für den Kiesbelag eine Belastung von 100 kg/m² anzusetzen ist, während eine Extensivbegrünung in Abhängigkeit von der Substrathöhe mit 60 – 150 kg/m² zu Buche schlägt [DDV (2011) S. 67]. Ansonsten ist bei bestehenden Gebäuden vor der Entscheidung für ein Gründach immer zu prüfen, ob die Statik zusätzliche Lasten zulässt und wie hoch der Aufbau maximal sein darf. Dies wirkt sich dann direkt auf die zur Auswahl stehenden Arten der Dachbegrünung aus. Bei neuen Gebäuden bestehen diese Einschränkungen – bei entsprechender Berücksichtigung der Lasten in der Statik – nicht und es kann frei zwischen den drei nachstehenden Varianten von Gründächern ausgewählt werden.

Extensivbegrünung

Bei der Extensivbegrünung fällt die sogenannte Substratschichthöhe mit 6 – 15 cm vergleichsweise gering aus. Damit ist sie relativ leicht und eignet sich auch für Gebäude mit geringen Lastreserven. Sie ist in der Erstellung kostengünstig (25 – 35 Euro/m²) und im Unterhalt pflegearm (ein bis zwei Wartungsgänge pro Jahr). Als Bewuchs eignen sich Moose, Gräser und Kräuter. Diese Art der Dachbegrünung hat den Nachteil, dass eine Nutzung, beispielsweise als Dachterrasse, nicht möglich ist. Untersuchungen zeigen, dass eine Extensivbegrünung im Jahresmittel 75 % des Niederschlags (in den Sommermonaten ca. 90 %) speichern und verdunsten kann.

Einfache Intensivbegrünung

Die einfache Intensivbegrünung weist eine mittlere Substratschichthöhe von 12 – 25 cm auf. Dies bedeutet gleichzeitig höhere Lasten, die abgetragen werden müssen, aber auch eine größere Artenvielfalt. Neben Gräsern und Kräutern können ebenfalls niedrige Stauden gepflanzt werden. Im Vergleich zur Extensivbegrünung ist sie etwas kostspieliger und pflegeintensiver.

Intensivbegrünung (Dachgarten/Tiefgaragenbegrünung)

Die Intensivbegrünung weist die größte Substratschichthöhe mit 15 – 40 cm oder höher auf, was mit entsprechend hohen Lasten, großem Regenrückhaltevermögen und umfangreicher Artenvielfalt einhergeht. So können hier neben Rasen und Stauden auch Sträucher und sogar Bäume angepflanzt werden. Damit geht eine deutliche Steigerung der Wohnqualität einher, da die entstehenden Dachgärten wie Gartengrundstücke genutzt werden können. Der Pflegeaufwand entspricht dem von normalen Gärten und die Kosten für die Anlage sind entsprechend hoch. Tiefgaragenbegrünungen fallen ebenfalls in diese Kategorie [DDV (2011) S. 65 f., S. 69 f.], [Senatsverwaltung Berlin (2011) S. 13].

Aufbau eines Gründachs

Ein Gründach besteht aus folgenden Schichten (von unten nach oben):

  • Schutzlage: schützt die Dachabdichtung und dient als Durchwurzelungsschutz; u. U. ergänzt durch eine Wurzelschutzlage, wenn diese nicht schon in der Dachabdichtung enthalten ist
  • Dränageschicht: dient der Wasserspeicherung und Abführung von Überschusswasser
  • Filterschicht: verhindert den Eintrag von Boden in die Dränageschicht
  • Substratschicht: versorgt Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen und garantiert die Wurzelverankerung

Ein zusätzlicher Beitrag zum Ressourcenschutz kann durch die Verwendung von Recyclingmaterialien zum Aufbau des Gründachs geleistet werden. So werden beispielsweise Substrate aus Tondachziegeln und Dränageelemente aus Recyclingkunststoff angeboten [DDV (2011) S. 68].

Kombination mit anderen Dachnutzungen

Eine Kombination von Gründach und Photovoltaikanlagen ist problemlos möglich, zumal das Gewicht der Substratschüttung die Verankerung der Elemente erleichtert. Auch die Kombination mit einer Regenwassernutzung ist möglich, wobei der verringerte Dachabfluss zu berücksichtigen ist. Hierbei ist die natürliche Filterfunktion des Gründachs von Vorteil, da das Regenwasser ohne weitere Behandlung z. B. zur Toilettenspülung genutzt werden kann [DDV (2011) S. 72].

Beispiel

DaimlerChrysler-Areal, Berlin, Potsdamer Platz

Auf dem DaimlerChrysler-Areal am Potsdamer Platz in Berlin wurde ein Gebäudeensemble aus 19 Häusern errichtet und mit Gründächern sowie einem ausgefeilten System zur Regenwasserbewirtschaftung ausgestattet. Hintergrund hierfür war die Anforderung, dass der auf dem Grundstück anfallende Niederschlag nicht in den Mischwasserkanal eingeleitet werden darf. 60 % der 30.000 m² umfassenden Dachflächen sind begrünt, so dass hier bereits ein Teil des anfallenden Niederschlags zurückgehalten und verdunstet wird. Das übrige Wasser wird in fünf Zisternen mit einem Speichervolumen von 2.600 m³ geleitet. Ein Teil davon wird zur Spülung von 415 WCs und 226 Urinalen sowie zur Bewässerung von 3.800 m² Grünflächen genutzt. Im Schnitt werden hierfür jährlich 7.700 m³ Regenwasser verwendet. Das verbleibende Wasser wird in ein urbanes Gewässer von 1,2 ha Fläche eingespeist und gelangt dort zur Verdunstung. Bei Starkregenereignissen kann der Wasserpegel um bis zu 30 cm über den Mindestwasserspiegel angehoben werden. Zeitlich verzögert kann der Niederschlag dann mit maximal drei Liter pro Minute in den Landwehrkanal eingespeist werden, was dem natürlichen Abfluss der unbebauten Fläche entspricht. Neben den Gründächern leistet die Wasserfläche einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung des natürlichen Wasserkreislaufs und zur Verbesserung des Kleinklimas. Darüber hinaus wertet ihre hohe Aufenthaltsqualität gleichzeitig das Grundstück auf [Senatsverwaltung Berlin (2003) S. 12 f.].

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