Regenwasserversickerung

Werden der Überlauf einer Regenwassernutzungsanlage und das Regenwasser von versiegelten Grundstücksflächen versickert, so kann damit eine Grundwasserneubildungsrate von ca. 50 Prozent erreicht werden, was in etwa den natürlichen Verhältnissen entspricht. Auch auf unbebauter Fläche versickert nur ein Teil des Niederschlags, während der Rest oberirdisch abfließt oder verdunstet.

In der Kombination aus Regenwassernutzung, -verdunstung und -versickerung ergeben sich folgende Vorteile:

  • Befreiung vom Niederschlagswasserentgelt (in den meisten Gemeinden wird dieses bereits aufgrund gesplitteter Abwassergebühren erhoben, s. u.)
  • Reduktion der Trinkwassergebühren durch Nutzung von Regenwasser
  • Vollständige Abkoppelung vom Regenwasserkanal
  • Geringere hydraulische Belastung der Kläranlagen und dadurch Verbesserung des Reinigungsergebnisses
  • Verringerung des bei Starkregen ungeklärt in die Gewässer eingeleiteten Mischwassers
  • Beitrag zum Hochwasserschutz
  • In Neubaugebieten kann u. U. der Bau eines Regenwasserkanals entfallen [fbr (2014d)]

Eine Befreiung vom Niederschlagswasserentgelt ist in allen Gemeinden möglich, die gesplittete Abwassergebühren eingeführt haben. Bereits 2008 traf diese Gebührenneuregelung bei zwei Drittel aller Abrechnungen, in Städten mit über 100.000 Einwohnern sogar bei mehr als 80 Prozent der Abrechnungen, zu. Dabei wird die Gebühr für die Niederschlagswasserbeseitigung nicht mehr wie früher über den Frischwasserkonsum mit erhoben, sondern separat nach der befestigten und abflusswirksamen Fläche mit Kanalanschluss [DDV (2011) S. 39].

Technische Umsetzung

Um das Grundwasser zu schützen, müssen alle Versickerungsanlagen – unabhängig vom Verfahren – einen Mindestabstand von 1,5 m zum höchsten Grundwasserstand aufweisen [DWA (2005)]. Folgende Systeme zur Regenwasserversickerung stehen zur Verfügung:

Flächenversickerung

Vorteile:

  • Geringer technischer Aufwand
  • Sehr gute Reinigungswirkung bei bewachsener Oberfläche
  • Wartungsfreundlichkeit

Nachteile:

  • Ausreichende, ebene Freifläche erforderlich (Versickerungsfläche kann bis zu 70 % der angeschlossenen Fläche betragen)
  • Nur bei guter Wasserdurchlässigkeit des Bodens [AQUA-Bautechnik (2007)], [Sieker (2005)]

Versickerungsmulde

Vorteile:

  • Einfache Bauausführung
  • Versickerung über eine belebte Bodenschicht
  • Versickerung auch bei hohen Grundwasserständen
  • Wartungsfreundlichkeit

Nachteile:

  • Ausreichendes Platzangebot erforderlich (Muldenfläche sollte mindestens 10 % der angeschlossenen Fläche umfassen)
  • Nur bei guter Wasserdurchlässigkeit des Bodens
  • Nur bei geeigneten Gefälleverhältnissen

Rohrigole (mit Schotter oder Kies gefüllte Körper, die von Erde überdeckt sind)

Vorteile:

  • Kaum Flächenbedarf und nur geringe Einschränkung der Flächennutzung
  • Auch bei Speicherüberlauf tief unter Gelände

Mulden-Rigolen-Versickerung (Kombination aus Mulde und Rigole, bei der unterhalb der Mulde eine Rigole angeordnet ist)

Vorteile:

  • Geringerer Platzbedarf als Mulde
  • Weitgehende Unabhängigkeit von der Wasserdurchlässigkeit des Bodens (u. U. durch gedrosselte Ableitung in den Kanal; Anteil der Versickerung verringert sich entsprechend)

Schachtversickerung

Vorteile:

  • Bei beengten Verhältnissen auf dem Grundstück

Nachteile:

  • Ausreichend großer Grundwasserabstand erforderlich
  • Nur bei weitgehend unbelastetem Regenwasser

Versickerungsspeicher (in einer Grube mit Regenwasserspeicher / kommt nur zur Entwässerung von Dachflächen zum Einsatz)

Vorteile:

  • Platzsparend
  • Komplettangebote erhältlich

Nachteile:

  • Nur bei ausreichend großem Grundwasserabstand [Senatsverwaltung Berlin (2011) S. 18], [Nolde (2002) S. 16], [Nolde (2014b)], [fbr (2014d)]

Versickerungsboxen (kommen nur zur Entwässerung von versiegelten Flächen zum Einsatz)

Vorteile:

  • Großes Rückhaltevolumen
  • Kein zusätzlicher Platzbedarf, da Anordnung beispielsweise unter Parkplatzflächen möglich [Schumann (2012) S. 10]

Zum Schutz des Grundwassers muss der Abfluss von stark befahrenen Flächen zunächst über einen bewachsenen Bodenfilter oder über dezentrale Regenwasserbehandlungsanlagen gereinigt werden [Schumann (2012) S. 10].

Wird die Versickerungsanlage ohne vorgeschaltete Regenwassernutzung ausgeführt, so entfällt das Niederschlagswasserentgelt nur, wenn kein (Not-) Überlauf oder gedrosselter Ablauf zur Kanalisation vorgesehen wird. Andernfalls werden je nach Region 50 – 90 % des Entgelts berechnet [Nolde (2014b)].

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