Vorhaben strukturieren

Vorhaben strukturieren

Nachdem im ersten Schritt ein Zielbild für kreislaufwirtschaftliche Maßnahmen entwickelt wurde, stellt sich im nächsten Schritt die Frage, wie dieses Vorhaben aus Sicht externer Finanzierungspartner eingeordnet wird. Dabei wird das interne Zielbild in eine Perspektive überführt, die sich an den Entscheidungs- und Bewertungskriterien unterschiedlicher Finanzierungsagierende orientiert.

Ziel dieses Schrittes ist es, das Vorhaben so aufzubereiten, dass es für externe Agierende nachvollziehbar, vergleichbar und bewertbar wird. Je nach Finanzierungsquelle unterscheiden sich dabei die Schwerpunkte. Während klassische Kapitalgeber wie beispielsweise Banken, Kreditinstitute usw. insbesondere die wirtschaftliche Tragfähigkeit und Rückzahlungsfähigkeit in den Mittelpunkt stellen, liegt der Fokus bei Beteiligungskapital stärker auf Wachstumspotenzial und Skalierbarkeit. Öffentliche Förderinstitutionen berücksichtigen zusätzlich den Beitrag zu politischen Zielsetzungen sowie den Innovations- und Transformationsgrad eines Vorhabens.

Trotz dieser Unterschiede lassen sich gemeinsame grundlegende Bewertungsperspektiven identifizieren. Im Kern werden Vorhaben stets entlang wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, bestehender Risiken sowie ihrer praktischen Umsetzbarkeit beurteilt. Für Unternehmen bedeutet das, das Zielbild so zu strukturieren, dass diese zentralen Aspekte transparent abgebildet werden und eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage entsteht.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Beschreibung der geplanten Maßnahmen, sondern insbesondere die Frage, welche wirtschaftlichen Effekte, ökologischen und sozialen Wirkungen sowie Umsetzungsrisiken damit verbunden sind. 

Zur strukturierten Aufbereitung kann das Vorhaben in die folgenden vier miteinander verknüpften Perspektiven gegliedert werden:

  1. Wirtschaftliche Perspektive
  2. Wirkungsbezogene Perspektive
  3. Risikoperspektive
  4. Zeitliche Perspektive 
© VDI ZREFinanzierungsfähige Strukturierung des Vorhabens anhand unterschiedlicher Perspektiven

 

Wirtschaftliche Perspektive

Im ersten Schritt wird untersucht, wie sich das Geschäftsmodell durch die geplanten Maßnahmen wirtschaftlich verändert. Dabei stehen insbesondere die Auswirkungen auf Kostenstruktur, Erlösmodelle und Zahlungsströme im Mittelpunkt.

Leitfragen können dabei sein:

 

  • Wie verändert sich die Kostenstruktur durch die Umsetzung der Maßnahmen? 
  • Welche neuen oder veränderten Erlösmodelle entstehen? 
  • Welche Investitionen sind erforderlich und wie entwickeln sich die Cashflows im Zeitverlauf?

Zur Unterstützung dieser Analyse können grundlegende finanzielle Planungsinstrumente wie Cashflow-Prognosen sowie vereinfachte Break-Even-Analysen herangezogen werden. Diese Instrumente dienen insbesondere dazu, die grundsätzliche wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Vorhabens frühzeitig zu plausibilisieren und zentrale Einflussfaktoren sichtbar zu machen. Aufgrund der spezifischen Charakteristika kreislaufwirtschaftlicher Geschäftsmodelle (insbesondere verzögerte Erlösströme und mehrfache Wertschöpfungszyklen) sind die Ergebnisse jedoch als erste Näherung zu interpretieren und im weiteren Verlauf zu präzisieren.

Wirkungsbezogene Perspektive

Im zweiten Schritt wird die Wirkungsdimension betrachtet, die insbesondere für Förderinstitutionen sowie nachhaltigkeitsorientierte Kapitalgeber von zentraler Bedeutung ist. Im Fokus stehen dabei die ökologischen und sozialen Effekte des Vorhabens.

Leitfragen sind:

 

  • Welche Ressourcen werden eingespart oder durch alternative Nutzungskonzepte ersetzt? 
  • Welche Umweltwirkungen verändern sich, beispielsweise im Hinblick auf Emissionen, Abfallaufkommen oder Energieverbrauch? 
  • Welche sozialen Effekte entstehen, etwa in Bezug auf Beschäftigung, Qualifikationsanforderungen oder regionale Wertschöpfung?

Zur Einordnung dieser Wirkungen können qualitative Wirkungslogiken (z. B. Input-Output-Modelle) oder Nachhaltigkeitskennzahlen wie CO₂-Emissionen (z. B. eingesparte Tonnen CO₂) herangezogen werden.

Risikoperspektive

Im dritten Schritt wird die Risikostruktur des Vorhabens betrachtet. Hierzu zählen insbesondere Unsicherheiten, die mit der Umsetzung neuer Geschäfts- oder Kreislaufmodelle verbunden sind.

Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Fragen:

 

  • Welche Faktoren sind für den Erfolg der Umsetzung entscheidend?
  • Wo bestehen technische, organisatorische oder marktbezogene Unsicherheiten?
  • Welche Risiken ergeben sich aus neuen Lieferketten-, Partner- oder Materialstrukturen?

Zur systematischen Einordnung können Instrumente wie Risiko-Chancen-Matrizen (Eintrittswahrscheinlichkeit vs. Schadensausmaß) oder SWOT-Analysen eingesetzt werden.* UN Global Compact Netzwerk Deutschland; WWF Deutschland (2024): Strategie-Leitfaden Circular Economy.

Zeitliche Perspektive

Ergänzend zu den inhaltlichen Dimensionen ist die zeitliche Struktur des Vorhabens von zentraler Bedeutung. Kreislaufwirtschaftliche Projekte zeichnen sich häufig dadurch aus, dass Investitionen frühzeitig anfallen, während wirtschaftliche und ökologische Wirkungen zeitlich verzögert eintreten.

Leitfragen sind:

 

  • Zu welchem Zeitpunkt entstehen welche Kosten? 
  • Ab wann treten erste messbare Wirkungen auf? 
  • Wie lange dauert die Umsetzung einzelner Maßnahmen?  
  • Ab welchem Zeitpunkt sind stabile wirtschaftliche oder ökologische Effekte zu erwarten? 

Zur Strukturierung des Vorhabens kann eine vereinfachte Projektphasenlogik herangezogen werden, beispielsweise bestehend aus Vorbereitungs-, Umsetzungs- und Skalierungsphase. Diese zeitliche Betrachtung ermöglicht eine optimierte Einordnung von Kapitalbedarf, Risikoexposition und Wirkungspfad über den gesamten Projektverlauf.

Zusammenführung der Perspektiven

Abschließend werden die vier Perspektiven in einer integrierten Betrachtung zusammengeführt. Ziel ist es, das Vorhaben in seiner Gesamtheit zu bewerten und die zentrale Frage zu beantworten:

Welche Wirkung wird mit welchem Ressourceneinsatz unter welchen Risiken im Zeitverlauf erzielt?

Diese integrierte Struktur bildet die Grundlage für die weitere Ausgestaltung konkreter Finanzierungsstrategien in den nachfolgenden Kapiteln.