Errichtung
Das Potenzial bei der Bauausführung Ressourcen einzusparen, ist stark abhängig von der vorausgehenden Planung. Durch einen modularen Gebäudeentwurf können Module und Elemente vorgefertigt und damit Baustellenabfälle und Umweltwirkungen während der Errichtung auf ein Minimum reduziert werden. Weitere Strategien sind der Einsatz von umweltgerechten Baumaschinen und -geräten, ein sparsamer Umgang mit Wasser und die Anfertigung eines Gebäuderessourcenpasses.
Vorfertigung
Im Rahmen der Vorfertigung von Gebäuden wird zwischen drei Bauweisen unterschieden*
Gunawardena, T. und Mendis, P. (2022): Prefabricated Building Systems—Design and Construction. In: Encyclopedia, 2(1), 70-95. Encyclopedia. doi:10.3390/encyclopedia2010006
:
- Modulare Bauweise: Herstellung vollständig in sich geschlossener Einheiten in einer externen Anlage, die zur Baustelle transportiert und dort zu einem vollständigen Bauwerk zusammengesetzt werden.
- Elementbauweise: Herstellung flacher Elemente in einer externen Anlage, die zur Baustelle transportiert und dort zu einem kompletten Bauwerk zusammengesetzt werden.
- Hybride Fertigbauweise: Kombination von Elementbau- und Modulbauweise. Stark beanspruchte und standardisierte Bereiche wie Küchen und Bäder werden als geschlossene Einheiten vorgefertigt, während der Rest des Gebäudes aus Paneelen oder Modulen gebaut wird.
Diese Bauweisen bringen einige Vorteile mit sich. Auf der Baustelle ist weniger Arbeit notwendig, wodurch Emissionen größtenteils vermieden werden. Es wurde gezeigt, dass durch die konventionelle Vorfertigung von Betonbauteilen bis zu 90 % an Schalungsabfall eliminiert werden können*
Gunawardena, T. und Mendis, P. (2022): Prefabricated Building Systems—Design and Construction. In: Encyclopedia, 2(1), 70-95. Encyclopedia. doi:10.3390/encyclopedia2010006
*
Cheng, B.; Huang, J.; Lu, K.; Li, J.; Gao, G.; Wang, T. und Chen, H. (2022): BIM-enabled life cycle assessment of concrete formwork waste reduction through prefabrication. In: Sustainable Energy Technologies and Assessments, 53, 102449. ISSN 2213-1388. doi:10.1016/j.seta.2022.102449
. Elemente und Raummodule sind potenziell wiederverwendbar, was die Ressourceneffizienz erheblich erhöht. Gegenüber konventionellen Bauweisen ergibt sich eine deutliche Zeitersparnis auf der Baustelle und damit eine Kostenreduktion. Außerdem ist die Herstellung in externen Anlagen witterungsunabhängig und sicherer*
Gunawardena, T. und Mendis, P. (2022): Prefabricated Building Systems—Design and Construction. In: Encyclopedia, 2(1), 70-95. Encyclopedia. doi:10.3390/encyclopedia2010006
.
Baumaschinen und -geräte
Umweltgerechte Baumaschinen zeichnen sich insbesondere durch niedrige Emissionen aus. Dabei geht es neben Abgas- auch um Lärm- und Partikelemissionen. Da viele Baugeräte von Verbrennungsmotoren betrieben werden, sind häufig alle drei Emissionsarten in erheblichem Ausmaß vorhanden. Neben der Verschlechterung der Luftqualität und damit verbundener gesundheitlicher Folgen durch Abgas- und Partikelemissionen, fühlt sich ein Großteil der Betroffenen auch von der erheblichen Lärmbelastung gestört. Eine besondere Relevanz zur Emissionsminderung entsteht nicht nur durch betroffene Anwohnende, sondern ebenso aufgrund der im Umfeld der Baustelle beschäftigten Arbeitnehmenden, welche den Belastungen und damit verbundenen Risiken nahezu täglich ausgesetzt sind*
Umweltbundesamt (2017): Leitfaden zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung - Baumaschinen. Umweltbundesamt (UBA), Dessau-Roßlau (abgerufen am: 07.10.2022).
.
Als Alternativen werden neben Partikelfiltern zurzeit vor allem Batterie-Elektrische Baumaschinen eingesetzt, die teilweise sogar Vorteile haben, welche über die reine Emissionsminderung hinausgehen. Auch an verschiedenen Hybridkonzepten, etwa mit einer Brennstoffzelle, wird weiterhin geforscht*
bauma (2022): Elektrische Baumaschinen im Aufwind (online). Messe München GmbH (abgerufen am: 07.10.2022).
.
Einen Hinweis auf das Emissionsverhalten von Baumaschinen geben verschiedene Nachweise, wie etwa das Siegel des Blauen Engels.
Wassersparende Baustelle
Um Wasser auf der Baustelle möglichst umfassend und effizient zu sparen, ist es sinnvoll, an dem gesamten Prozess anzusetzen. So kann es relevant sein, den Mitarbeitenden bereits vor Beginn des Baus Schulungen zu bieten, in welchen ein Bewusstsein für das Wassersparen und dessen Sinn geschaffen wird sowie Methoden an die Hand gegeben werden, mit welchen das Sparen umsetzbar wird.
Auch bei Formen der regelmäßigen Kommunikation mit den beteiligten Personen sollte das Thema einen Platz haben und der Erfolg dokumentiert und kommuniziert werden, sowohl intern als auch extern*
Smart Approved WaterMark (2022): SAVING WATER - Water use in the building industry (online). The Water Conservancy (abgerufen am: 04.10.2022).
.
Neben invasiveren Methoden, wie etwa dem Einsatz von wasserfreien Toiletten, der Verwendung von Trockenmörtel oder dem Einsatz wassersparender Maschinen, gibt es während des Baus viele Möglichkeiten, an kleineren Stellschrauben Wasser zu sparen. So können Wege beispielsweise mittels Besen und bei Bedarf mit einem Hochdruckreiniger sauber gehalten werden, statt pauschal mit fließendem Wasser. Ebenso kann es sinnvoll sein, Maschinen mit Wasser aus einem Eimer/Gefäß statt mit fließendem Wasser sauber zu machen. Für Tätigkeiten auf der Baustelle, die keine Trinkwasserqualität erfordern, kann Brauchwasser gesammelt werden*
Smart Approved WaterMark (2022): SAVING WATER - Water use in the building industry (online). The Water Conservancy (abgerufen am: 04.10.2022).
.
Gebäuderessourcenpass
Auf Basis eines BIM-Modells kann die Erstellung eines Gebäuderessourcenpasses (auch Materialpass oder materieller Gebäudepass) semiautomatisiert erfolgen. Dieser übernimmt sämtliche Informationen aus dem digitalen Gebäudemodell, wie z. B. Materialeigenschaften und geometrische Daten. Durch eine Verknüpfung zu weiteren Datenbanken ist außerdem eine Bewertung des Recyclingpotenzials und der Umweltwirkungen möglich. Ein Materialpass ist dadurch auch in der frühen Planungsphase als Optimierungs- und Entscheidungswerkzeug hilfreich. Nach der Bauausführung dient der Ressourcenpass in erster Linie der Dokumentation aller verbauten Materialien. Bei Um- oder Rückbaumaßnahmen sind sämtliche notwendigen Informationen abrufbar, wodurch eine bestmögliche Verwertung oder Wiederverwendung stattfinden kann*
Honic, M.; Kovacic, I. und Rechberger, H. (2019): Der BIM‐basierte materielle Gebäudepass als Optimierungswerkzeug. In: Bautechnik, 96(3), 219-228. ISSN 0932-8351. doi:10.1002/bate.201800089
.