Integrierte Projektabwicklung
Die integrierte Projektabwicklung (IPA) begünstigt die kollaborative Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg. Sie ist eine Form der Durchführung von Bauprojekten. Alle Projektbeteiligten bilden zu Beginn des Bauprojektes ein Team. Dadurch steht von Anfang an die Expertise verschiedener Interessensgruppen zur Verfügung. So wird eine starre Segmentierung in einzelne Aufgabenbereiche vermieden und eine lebenszyklusoptimierte Gebäudeplanung ermöglicht*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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Diese frühzeitige Zusammenarbeit bringt Abweichungen vom herkömmlichen Planungsprozess mit sich. Beispielsweise erfolgt eine Vergütung nicht nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), sondern nach festgelegten Regeln in einem Mehrparteienvertrag*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
. Die Definition gemeinsamer Werte, Ziele und Prozesse sowie Teambuilding und Schulungsaktivitäten zu Beginn eines Projekts erfordern ein zusätzliches Investment. Das kann sich jedoch über die Projektlaufzeit hinweg und vor allem bei größeren komplexen Bauprojekten auszahlen. Mit zunehmender Erfahrung der Beteiligten eignet sich IPA auch für kleinere Projekte*
Allison, M.; Ashcraft, H.; Cheng, R.; Klawans, S. und Pease, J. (2020): Integrierte Projektabwicklung - Ein Leitfaden für Führungskräfte. Deutsche Übersetzung, Frankfurt a. M. (abgerufen am: 14.09.2022).
. Die folgenden Inhalte beschreiben nach Haghsheno et al. die wesentlichen Elemente der integrierten Projektabwicklung, welche maßgeblich zum Erfolg beitragen*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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Werte und Kultur
Für ein erfolgreiches IPA-Projekt sind gemeinsame Werte und Verhaltensgrundsätze und -prinzipien von entscheidender Bedeutung. Respekt, Vertrauen, Transparenz, eine proaktive offene Kommunikation und die Bereitschaft zur kontinuierlichen Verbesserung sind essenziell. Die Werte müssen im Team zu Projektbeginn gemeinsam definiert werden*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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Während des Projekts gilt es, regelmäßig zu reflektieren, ob sich die definierten Werte tatsächlich im Team widerspiegeln. Führungskräfte haben die Aufgabe, die vereinbarten Grundsätze vorzuleben und von den Mitarbeitenden entsprechendes Verhalten einzufordern. Alle Projektbeteiligten sind angehalten, stets so zu handeln, dass es den gemeinsam definierten Projektzielen dient (Best for Project). Um eine kollaborative Kultur zu fördern, eignet sich eine Projektcharta. In dieser sollen die vereinbarten Werte und Verhaltensprinzipien dokumentiert werden. Teambuilding und Onboarding Events können ebenfalls den Wandel hin zu einer kollaborativen Kultur unterstützen. Einer der erfolgversprechendsten Wege ist das Zusammenfinden des Projektteams an einem Standort (Co-Location) mit einem gemeinsamen Besprechungsraum (Big Room). Die physische Nähe fördert die Zusammenarbeit, da sich die Beteiligten persönlich kennenlernen und die Möglichkeit bekommen, über kurze Kommunikationswege unbürokratisch und effektiv Informationen auszutauschen*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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Mehrparteienvertrag
Ein Mehrparteienvertrag bildet gemeinsam mit der Etablierung einer kollaborativen Teamkultur die Basis der integrierten Projektabwicklung. In dem Mehrparteienvertrag sind die gemeinsam definierten Projektziele und Regeln der Zusammenarbeit festgeschrieben. Einen großen Stellenwert nehmen Vereinbarungen hinsichtlich Haftung und Versicherung ein. Im Gegensatz zu klassischen Vertragsmodellen, bei denen teilweise Anreize entstehen, den eigenen Gewinn auf Kosten der Ziele des Gesamtprojekts zu maximieren, fördert ein Mehrparteienvertrag kollaboratives Handeln und Innovation*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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Folgende Merkmale sind meist in diesen Verträgen auffindbar*
Hillig, J.-B. und Beuthan, T. (2020): Integrierte Projektabwicklung (IPA) mit Mehrparteienverträgen – Wie weit voraus ist uns die internationale Vertragspraxis? - Bericht zur 19. Sitzung des AK Internationales Baurecht der ARGE Baurecht am 05.03.2020 in Leipzig. Deutscher Anwaltverein e.V., Berlin (abgerufen am: 15.09.2022).
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- Early Contractor Involvement: Die Schlüsselbeteiligten werden frühzeitig in das Projekt eingebunden. Ein Bauunternehmen ist z. B. zunächst so lange beratend tätig, bis die Ausführung beginnen kann. Erst dann folgen die Vergabe und tatsächliche Ausführung der zu erbringenden Bauleistungen.
- Entscheidungsfindung: Um gemeinsame Entscheidungen treffen zu können, werden Organisations- und Entscheidungsgremien gebildet. Auftraggebende verlieren dadurch ihre Entscheidungshoheit nicht. Sie haben regelmäßig ein „(Letzt-)Entscheidungs- und Leistungsänderungsrecht“. Im Vertrag ist außerdem „eine klare Aufgaben- und Leistungszuordnung“ vorhanden.
- Anreizbasiertes Vergütungsmodell: Die Auftragnehmenden erhalten i. d. R. eine Erstattung der tatsächlich entstandenen Kosten. Dafür ist eine uneingeschränkte finanzielle Transparenz durch ein „Open-Book“-Verfahren erforderlich. Darüber hinaus wird ein zusätzlicher Betrag (Overhead) definiert, der auch allgemeine Geschäftskosten enthält. Ein Bonus-Malus-System regelt, wie die Projektbeteiligten am Erfolg oder Misserfolg beteiligt werden.
- Risikotöpfe/Zurückstellungen: Beim Aufsetzen des Vertrags definieren die Beteiligten gemeinsam, welche Risiken eintreten könnten. Für den möglicherweise notwendigen Kostenausgleich werden nach festgelegten Regeln Geldbeträge zurückgestellt.
- Haftungsbeschränkung: Die Ausgestaltung der Haftungsfragen ist flexibel. Für Entscheidungen der IPA-Entscheidungsgremien wird meist ein Haftungsausschluss vereinbart.
- Konfliktlösungsverfahren: Der Umgang mit Konflikten innerhalb des IPA-Teams ist festgelegt. Im Falle dessen, dass sich die Beteiligten nicht einigen können, sind häufig eine Schlichtung, außergerichtliche Streitbeilegung (Adjudikation) und/oder ein Schiedsverfahren vorgesehen.
Organisation
Die Organisation von IPA sieht die frühzeitige Einbindung der Wertschöpfungsparteien in das Projekt vor. Dadurch zeigt sich im Vergleich zu herkömmlichen Projektabwicklungsformen ein entscheidender Vorteil: Die gesamte Expertise steht dem Team von Beginn an zur Verfügung. Durch die Zusammenkunft der verschiedenen Sichtweisen und Fachkompetenzen ergeben sich eine gesteigerte Planungsqualität und -effizienz. Bauausführende können so bereits in die frühen Planungsphasen eingebunden werden*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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Im Rahmen der IPA-Teambildung findet ein Kompetenzwettbewerb statt. Dabei erfolgt neben der ökonomischen Bewertung vor allem auch die Bewertung zusätzlicher Kriterien wie der fachlichen Kompetenz und Bereitschaft sowie Fähigkeit zur Kollaboration. Im Team wird eine integrierte Governance- und Arbeitsstruktur umgesetzt. Das bedeutet, dass die Projektverantwortung und ‑leitung von allen Beteiligten gleichberechtigt getragen und Entscheidungen stets im Konsens nach dem Einstimmigkeitsprinzip getroffen werden. Sollte Letzteres nicht möglich sein, so kann eine Entscheidung durch eine höhere Ebene einstimmig gefällt werden. Sofern auch die höhere Ebene zu keiner Einigung gelangt, kann ein vordefiniertes außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren Anwendung finden*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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IPA-Methoden und Werkzeuge
Die im Zusammenhang mit IPA genutzten Methoden werden häufig im Kontext mit Lean Construction umgesetzt. Beispiele sind das Last Planner System, das Target Value Design oder die 5W-Methode. Für weiterführende Informationen zu diesen Methoden und Werkzeugen greifen Sie bitte über die Grafik auf den Punkt „Lean Construction“ zu*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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Building Information Modeling (BIM) ist eine weitere Methode, die zusammen mit Lean Construction als Katalysator und wesentliches Werkzeug der integrierten Projektabwicklung gesehen wird. Für ausführlichere Informationen greifen Sie bitte über die Grafik auf den Punkt „Building Information Modeling“ zu*
Haghsheno, S.; Baier, C.; Budau, M. R.-D.; Schilling Miguel, A.; Talmon, P. und Frantz, L. (2022): Strukturierungsansatz für das Modell der Integrierten Projektabwicklung (IPA)/Structuring approach for Integrated Project Delivery. In: Bauingenieur, 97(03), 63-76. ISSN 0005-6650. doi:10.37544/0005–6650–2022–03–47
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