Produkt-/ Prozessmanagement

Durchführung einer Lebenszyklusanalyse

Mithilfe einer Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment – LCA) können Unternehmen prüfen, ob das Remanufacturing gegenüber neu produzierter Ware eine nachhaltigere Option darstellt. Hierfür wird die Umweltwirkung, z. B. in Form des Global Warming Potential (GWP)* Sundin, E. (2004): Product and Process Design for Successful Remanufacturing. Dissertation, Linköping (abgerufen am: 03.07.2023), S. 15. , über den gesamten Produktlebensweg aggregiert und die entsprechenden Kennzahlen innerhalb des Produktportfolios werden verglichen.* Lange, U. (2017): Ressourceneffizienz durch Remanufacturing – Industrielle Aufarbeitung von Altteilen. VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH, Kurzanalyse, Nr. 18 (abgerufen am: 22.05.2019), S. 21 f.

Die Ergebnisse der LCA können auch in die Entwicklung neuer Produkte einfließen, um diese ausgehend vom Produktdesign (z. B. Materialauswahl, Demontagefähigkeit) möglichst nachhaltig zu gestalten.* Steuer, J.; Bemeleit, B. und Schmiegel, B. (2022): Circular Economy im Deepdive: Remanufacturing von Automotive-Batteriezellen (online) (abgerufen am: 07.07.2023). Ebenso lässt sich über eine LCA sicherstellen, dass bei der Aufarbeitung eines End-of-Life-Produkts potenzielle Risiken weder übersehen noch hinsichtlich ihrer Kritikalität falsch eingeschätzt werden.* Herrmann, C. und Vetter, O. (2021): Ökologische und ökonomische Bewertung des Ressourcenaufwands – Remanufacturing von Produkten. VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH, Berlin (abgerufen am: 01.08.2022), S. 123.

 

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Durchführung einer Reifegradanalyse

Mithilfe einer Reifegradanalyse können Unternehmen den Entwicklungsstand ihres Remanufacturing-Prozesses bestimmen. In einer mehrdimensionalen Analyse werden hierbei der Produktionsprozess, die Infralogistik, inklusive aller genutzten IT-Systeme, aber auch die Planungsprozesse der Lieferkette betrachtet und hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Schlüsselelemente Produktdesign, Reverse Supply Chain und das Geschäftsmodell bewertet. Die Bestimmung des Ist-Zustands hilft, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und den Remanufacturing-Prozess noch nachhaltiger zu gestalten.* Steuer, J.; Bemeleit, B. und Schmiegel, B. (2022): Circular Economy im Deepdive: Remanufacturing von Automotive-Batteriezellen (online) (abgerufen am: 07.07.2023).

Durchführung einer Kostenbewertung

Mittels Remanufacturing lassen sich prinzipiell bis zu 50 % der für die Neuproduktion erforderlichen Herstellungskosten einsparen. Die Kosten des Remanufacturings korrelieren dabei vor allem mit den Ankaufkosten der End-of-Life-Produkte, inklusive der für die Instandsetzung benötigten Ersatzteile, sowie mit den Kosten für den eigentlichen Aufarbeitungsprozess. Aber auch die Bestands- und betriebswirtschaftlichen Kosten (z. B. Marketing) haben einen nicht unerheblichen Anteil an den Gesamtkosten des Remanufacturings.* Jiang, Z.; Ding, Z.; Zhang, H.; Cai, W. und Liu, Y. (2019): Data-driven ecological performance evaluation for remanufacturing process. In: Energy Conversion and Management, 198 (15) (abgerufen am: 29.06.2023), S. 12; 16. Über eine Kostenbewertung können Unternehmen daher im Vorfeld prüfen, ob das Remanufacturing eines End-of-Life-Produkts wirtschaftlich sinnvoll ist. Hierfür werden die Kosten des Remanufacturings mit dem Kostenaufwand für alternative Verwertungsprozesse (z. B. Recyclingkosten) verglichen. Die Kostenbewertung kann hierbei bspw. auf Basis einer ABC-Analyse erfolgen.* Sundin, E. (2004): Product and Process Design for Successful Remanufacturing. Dissertation, Linköping (abgerufen am: 03.07.2023), S. 19.

Durchführung einer Schwachstellenanalyse

Die Durchführung einer Schwachstellenanalyse kann Unternehmen dabei unterstützen, Schwachstellen innerhalb von Ökobilanzen zu identifizieren. Die Schwachstellenanalyse kann bspw. in Form einer ABC-Analyse erfolgen, um zu überprüfen, an welcher Stelle des Remanufacturing-Prozesses Verbesserungsmaßnahmen den größten Erfolg erzielen.* Sietz, M. (2001): Verbundprojekt Umweltfreundliche Möbel – Gestaltung, Herstellung und Vertrieb – Abschlussbericht des Forschungsprojektes, Höxter (abgerufen am: 02.08.2023), S. 55; 60.

Alternativ kann eine SWOT-Analyse* Morphos GmbH (2023): Warum Unternehmen eine Marktanalyse brauchen (online) (abgerufen am: 04.08.2023). durchgeführt werden, um Schwachstellen innerhalb der Unternehmensstruktur zu identifizieren und die Unternehmensstrategie entsprechend anzupassen. Die Methode Design for Excellence* Sundin, E. (2004): Product and Process Design for Successful Remanufacturing. Dissertation, Linköping (abgerufen am: 03.07.2023), S. 43. stellt einen weiteren Ansatz dar, um Schwächen/Stärken im Design for Remanufacturing zu identifizieren bzw. verschiedene Designentwürfe miteinander zu vergleichen. 

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Beispiele aus der Forschung und Entwicklung

Sustainable Materials in Future Luminaire Designs – from Recycling back to Application; Teilvorhaben: Nutzungskonzept Licht (SUMATRA)

  • Entwicklung nachhaltiger Produktdesigns für LED-Leuchten auf Basis von LCA-Studien.
  • Überarbeitung der „Light-Engine” zur Materialeinsparung, Minimierung von Verlustleistungen und Erhöhung der Lebensdauer.

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Nachhaltige Ressourcenstrategien in Unternehmen: Identifikation kritischer Rohstoffe und Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Umsetzung einer ressourceneffizienten Produktion

  • KMU-Leitfaden für die Entwicklung und erfolgreiche Umsetzung von nachhaltigen Ressourcenstrategien.
  • Innerbetriebliche Nachhaltigkeitsmaßnahmen werden durch ein Kritikalitätsassessment quantitativ bewertet.
  • Vulnerabilitätsanalysen identifizieren strategische Produkte, die Klassifikation potenziell kritischer Bauteile reduziert die Produktkomplexität. 

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Adaptives Remanufacturing zur Lebenszyklusoptimierung vernetzter Investitionsgüter (ReLIFE)

  • Steigerung der Ressourceneffizienz durch adaptives Remanufacturing zur Verlängerung der Lebensdauer von Investitionsgütern.
  • Anhand von Sensorik-Auswertungen wird der optimale Zeitpunkt/Umfang zur Durchführung von Instandhaltungsmaßnahmen unter Berücksichtigung technischer, ökonomischer sowie ökologischer Faktoren festgelegt.
  • Das für adaptive Remanufacturing-Maßnahmen entwickelte Entscheidungsmodell wurde erfolgreich in Form einer browserbasierten Softwareapplikation umgesetzt.

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Verbundprojekt: Life-Cycle-Extension durch Konzeption und Implementierung neuer Nutzungsstrategien zur nachhaltigen Wiederverwendung technisch komplexer Produkte

  • Entwicklung der Software „OeCoTool” zur Bestimmung der ökonomisch und ökologisch geeignetsten Option bzgl. Demontage und Aufarbeitung von Bauteilen und Komponenten komplexer Produkte wie Pumpen.
  • Das Produktrecycling der Pumpen spart gegenüber der zuvor verfolgten stofflichen Verwertung der Komponenten das 10- bis 100-Fache der Kosten ein. 

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Circular Economy Business Models for innovative hybrid and electric mobility through advanced reuse and remanufacturing technologies and services (CarE-Service)

  • Etablierung von nachhaltigen Geschäftsmodellen (z. B. Carsharing) im Bereich der E-Mobilität.
  • Entwicklung innovativer Technologien im Bereich Reuse und Remanufacturing von Hybrid- und Elektrofahrzeugen (z. B. Smart Movable Modules – Container, die entsprechendes Equipment sowie qualifiziertes Personal für eine Vor-Ort-Demontage von Elektroautos bereitstellen).

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Weiterführende Informationen

Kostenrechner
Die Module des Kostenrechners bieten eine praxisnahe Einführung in die ressourcenbezogene Kostenrechnung. Sie ermöglichen eine Analyse der Kostenstruktur sowie der Material- und Energieflüsse im Unternehmen und können somit zur Identifizierung von Ressourceneffizienzpotentialen eingesetzt werden.

Methodensammlung für die Produktentwicklung

Methoden im Überblick: Als Unterstützung bei der Analyse und Entwicklung bündelt die Sammlung Methoden und Herangehensweisen zur Planung ressourceneffizienter Produkte.

Kurzanalyse Nr. 20: Ressourceneffizienz durch Maßnahmen in der Produktentwicklung

Die Produktentwicklung beeinflusst die Ressourceneffizienz eines Produkts grundlegend. Eine ressourcenbewusste und vorausschauende Produktentwicklung kann den Materialeinsatz und folglich den Kostenaufwand entlang des gesamten Produktlebenswegs maßgeblich steuern. Im Hinblick auf endliche Ressourcen sollte sie einen Pfeiler der strategischen Unternehmensausrichtung bilden.

Remanufacturing Suitability Evaluation Tool, KIT

Das Remanufacturing Suitability Evaluation Tool hilft, Produkte zu identifizieren, die für das Remanufacturing geeignet sind. Ferner bietet das Tool die Option, verschiedene Produkte hinsichtlich ihrer Eignung für das Remanufacturing unter Berücksichtigung technischer, monetärer, rechtlicher, ökologischer und sozialer Aspekte zu vergleichen.