Montagegerechtes Gestaltung

Im Icon sind ein menschlicher Kopf, ein Werkzeug, eine Glühbirne und ein Bleistift zu sehen. © VDI ZRE / Carolin Oelsner

Die Entscheidung über das Design eines Produkts erfolgt bereits im Rahmen der Produktentwicklung. Dennoch liefern die gesammelten Erfahrungen während der Montage wertvolle Erkenntnisse, die dazu genutzt werden können, das Design von Nachfolgeprodukten hinsichtlich Konsolidierung oder Substitution zu bewerten. Diese Erkenntnisse sollten an relevanten Stellen kommuniziert werden, um kontinuierliche Verbesserungen zu ermöglichen. 

Von zentraler Bedeutung sind hierbei die Prinzipien des montagegerechten Designs. Häufig berücksichtigen Konstrukteurinnen und Konstrukteure die Eigenschaften von Komponenten und Baugruppen im montierten Zustand. Jedoch werden während der tatsächlichen Montage oft verschiedene Kräfte und Einflüsse wirksam, wie z. B. höhere Drehmomente durch Schraubvorgänge. Daher ist es von Anfang an wichtig, Aspekte wie das Verhalten von Komponenten während des Transports, der Handhabung, des Zusammenbaus und der Prüfung zu berücksichtigen. Die montagegerechte Konstruktion trägt auch zur Ressourceneffizienz bei, da Fehler bzw. unsachgemäße Montagen reduziert und damit Ressourcen eingespart werden können. Um diese Ziele zu erreichen, sollten bestimmte Maßnahmen bei der Konstruktion beachtet werden.

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Konstruktionsregeln zum montagegerechten Design

Die Umsetzung dieser Maßnahmen erfordert eine enge Abstimmung zwischen den Teams der Montage und der Produktentwicklung. Durch die Einbeziehung montagegerechter Konstruktionsprinzipien können Produkte effizienter hergestellt und Fehler minimiert werden, was letztendlich zu einer höheren Qualität und Ressourceneffizienz führt:* Bäßler, R. (2013): Integration der montagegerechten Produktgestaltung in den Konstruktionsprozess. Springer Berlin Heidelberg, S. 35 ff.

  • Funktionsstruktur und Baugruppen: Eine Funktionsstruktur mit wenigen bewährten Funktionsträgern und sinnvoller Unterteilung in Baugruppen erleichtert die Montage.
  • Einfacher Produktaufbau: Ein auf einfache Montage ausgelegter Produktaufbau, wie Schicht- oder Nestbauweise sowie das Baukastenprinzip, erleichtert nicht nur die Montage selbst, sondern auch die Erstellung von Produktvarianten.
  • Reduzierung von Produktfunktionen: Vermeidung von unnötigen Produktfunktionen, um die Anzahl der Montageoperationen zu reduzieren.
  • Montagefreundliche Basisteile: Entwickelung von Basisteilen mit Stand-, Auflage- und Spannflächen, die sich gut für die Montage eignen.
  • Einfache Montagevorgänge: Bevorzugung von Montagevorgängen, die geradlinig und von oben erfolgen können, um komplexe Bewegungsabläufe zu vermeiden.
  • Demontage und Recycling: Produkte sollten leicht demontierbar und recycelbar sein.
  • Verwendung von Standardteilen: Nutzung von Standard- oder Normteile mit wenigen unterschiedlichen Abmessungen.
  • Fügewerkzeuge und Handhabung: Schaffung von ausreichend Freiraum für Fügewerkzeuge an Fügestellen.
  • Späte Integration von Verkleidungsteilen: Montage von Verkleidungs- und empfindliche Oberflächenteile möglichst spät in den Montageablauf, insbesondere bei verschiedenen Produktvarianten.
  • Vermeidung von Luftpolstern: Planung von Entlüftungsbohrungen oder -rillen, um federnde Luftpolster beim Fügen von Teilen zu verhindern.
  • Minimierung von Dichtungsarbeiten
  • Verpackungs- und Transportfreundlichkeit
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Beispiele aus der Forschung und Entwicklung

Design for Automation

  • Fraunhofer-Institut IPA: Forschung zu "Design for Automation" (DfA)
  • Ziel: Produkte für die automatisierte Montage effizient gestalten
  • Motivation: Wirtschaftliche Gründe, Ergonomie, Qualität
  • Workshop-Angebot: Analyse von Produkten auf Automatisierungsfähigkeit, Anwendung der "elf goldenen Regeln"

Zur kompletten Projektbeschreibung

Gute Praxis Beispiele

Montagegerechte (Re)-Design

Die Aqseptence Group GmbH fertigt Ausrüstungen für die mechanische Wasseraufbereitung, beispielsweise für Kraftwerke oder Kläranlagen. Bei der Modernisierung ihrer Anlagen hat sich das Unternehmen dafür entschieden, die Antriebsbaugruppe eines Schalengreiferrechens unter Berücksichtigung der Ressourceneffizienz neu zu gestalten. Das Hauptziel bestand darin, Edelstahl einzusparen und gleichzeitig die Langlebigkeit und Montage-/Wartungsfreundlichkeit der Anlage zu verbessern. Dies wurde durch verschiedene Maßnahmen erreicht.

Eine dieser Maßnahmen war die Anpassung der Geometrie und die Substitution von Edelstahl durch Kunststoffe bei bestimmten Bauteilen der Antriebseinheit. Dadurch konnten pro Antriebseinheit mehr als 450 Kg Edelstahl eingespart werden. Der Einsatz von Kunststoff trug außerdem dazu bei, vorzeitigen Verschleiß durch Korrosion zu verhindern und somit die Langlebigkeit der Anlage zu erhöhen.

Zusätzlich wurde durch die Einführung einer modularen Bauweise sichergestellt, dass die Anlagen einfacher gewartet, transportiert und montiert werden können. Diese innovative Kombination aus Maßnahmen hat es der Aqseptence Group GmbH ermöglicht, ihre Ressourceneffizienz-Ziele erfolgreich umzusetzen.

Literatur:

Schmidt, M.; Haubach, C.; Preiß, M.; Spieth, H.und Bauer, J., Hg. (2018): 100 Betriebe für Ressourceneffizienz - Band 2 - Praxisbeispiele und Erfolgsfaktoren [online]. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, verfügbar unter: doi.org/10.1007/978-3-662-56712-8, S. 188 ff.

Entwicklung von modularen Produktionssystemen

Die Entwicklung eines Baukastensystems durch die Lenkering Montage- und Zerspanungstechnik GmbH aus Steinfeld wurde maßgeblich durch die Herausforderungen eines kunststoffverarbeitenden Unternehmens im Automotivesektor vorangetrieben. Da dieser jeweilige Stückzahlen und Varianten lediglich in geringer Menge herstellt, wär eine vollständige Automatisierung unwirtschaftlich gewesen. Die einzelnen Maschinen hätten in der Jahresbilanz nur eine Auslastung von 40-60 Prozent aufgewiesen.

Als Lösung wurde ein teilautomatisches Baukastensystem entwickelt mit Rüstvorgängen von unter 5 Minuten entwickelt. Die eigentlichen Montage- und Prüfprozesse finden nun auf austauschbaren Adaptionen statt. Dadurch besteht die Möglichkeit, genau den Prozess auszuführen, der gerade benötigt wird. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, kann schnell und effizient umgerüstet werden und ein neuer Prozess starten. Das Ergebnis ist eine Automation, die auch bei einer Vielzahl von Varianten eine nahezu 100-prozentige Maschinenauslastung erreicht und somit auch zur Ressourceneffizienz beiträgt.

Literatur:

Lenkering, D. (2023): Hat das Fließband ausgedient? [online]. Lmz-lenkering.de [abgerufen am 02.01.2024], verfügbar unter: www.lmz-lenkering.de/magazin/variantenvielfalt-produktion/