Sammlung und Rückführung

Effektive und kosteneffiziente Reverse-Logistik-Netzwerke

Die effektive Sammlung und Rückführung von Altgeräten/-komponenten im Rahmen des Remanufacturings bedarf einer effizienten Reverse-Logistik (RL). So können vorhandene RL-Prozesse zur Effizienzsteigerung bspw. um Industrie-4.0-Technologien wie Internet of Things (IoT), Cloud Computing oder elektronische Marktplätze erweitert werden.* Krstić, M.; Agnusdei, G. P.; Miglietta, P. P.; Tadić, S. und Roso, V. (2022): Applicability of Industry 4.0 Technologies in the Reverse Logistics: A Circular Economy Approach Based on COmprehensive Distance Based RAnking (COBRA) Method. In: Sustainability, 14 (5632) (abgerufen am: 11.07.2023), S. 1; 24.

Reverse-Logistik-Systeme sind grundsätzlich durch ein hohes Maß an Unsicherheit geprägt, da sowohl Menge und Zeitpunkt des Materialflusses als auch die Produktqualität in der Regel starken Schwankungen unterliegen. Der Einsatz der Funkfrequenz-Identifikation-(RFID-)Technologie hilft, durch die Kopplung von Material- und Informationsflüssen diese Unsicherheiten zu kompensieren.* Thoroe, L. und Schumann, M. (2008): Objektinformationsbedarfe und RFID Nutzenpotenziale in Reverse Logistics (online). In: Proceedings zur 3. Konferenz Mobile und Ubiquitäre Informationssysteme, 136 – 146. (abgerufen am: 29.06.2023), S. 136; 147. Auch können strategische Partnerschaften mit Parteien am Ende der Wertschöpfungskette wie Werkstätten/Entsorgungsunternehmen hilfreich sein, um dem Remanufacturing mehr Altgeräte zuzuführen.* Steuer, J.; Bemeleit, B. und Schmiegel, B. (2022): Circular Economy im Deepdive: Remanufacturing von Automotive-Batteriezellen (online) (abgerufen am: 07.07.2023). Ebenso kann die Erhebung eines Produktpfands* Schlüter, M.; Lickert, H.; Schweitzer, K.; Bilge, P.; Briese, C.; Dietrich, F. und Krüger, J. (2021): AI-enhanced Identification, Inspection and Sorting for Reverse Logistics in Remanufacturing. In: Procedia CIRP, 98, S. 300 – 305 (abgerufen am: 12.07.2023), S. 302. dazu beitragen, die Anzahl der Produktrückführungen zu erhöhen.

 

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Effiziente Sammel-/Rücknahmesysteme

Effiziente Sammel-/Rücknahmesysteme liefern die Grundvoraussetzung für ein wirtschaftliches Remanufacturing von Altgeräten/-komponenten, da durch den konstanten Materialinput mehr Planungssicherheit für den Remanufacturing-Betrieb besteht. Bei Sammelsystemen wird generell zwischen Hol- und Bringsystemen (z. B. Depotcontainer, Wertstoffhof)* Wagner, J.; Günther, M.; Rhein, H.-B. und Meyer, P. (2018): Optimierung von Sammelsystemen der haushaltsnahen Erfassung von Leichtverpackungen und stoffgleichen Nichtverpackungen auf der Grundlage vorhandener Daten – TEXTE 37/2018. Abschlussbericht, Dessau-Roßlau (abgerufen am: 11.07.2023), S. 20. bzw. individuellen und kollektiven Systemen unterschieden. 

Aus Sicht des herstellenden Unternehmens sind individuelle Sammelsysteme anzustreben, da sich z. B. in kollektiven Sammelsystemen ökonomische Vorteile aus dem nachhaltigen Produktdesign verlieren und für die Herstellerfirma daher keinen Mehrwert bieten.* Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz – Referat für Kommunikation, Presse, Öffentlichkeitsarbeit (2016): Abschlussbericht des Arbeitskreises Elektrogeräte und Ressourceneffizienz, Hannover (abgerufen am: 10.07.2023), S. 28. Sammelprozesse sollten jedoch für Nutzer*innen grundsätzlich unkompliziert und sicher gestaltet sein, um eine unsachgemäße Entsorgung von Altgeräten bzw. die daraus resultierenden negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu verhindern.* Deutsche Umwelthilfe e.V. (2021): Kreislaufwirtschaft in der Solarbranche stärken – Alte Photovoltaik-Module für den Klima- und Ressourcenschutz nutzen, Radolfzell (abgerufen am: 10.07.2023), S. 6 f. Die Produktrücknahme kann durch das herstellende Unternehmen zur Absatzförderung oder durch den Handel zur Verkaufsförderung erfolgen. Im Vertrieb kann die Produktrücknahme über den Vertriebskanal B2C an Endnutzer*innen bzw. über den Vertriebskanal B2B an gewerbliche Nutzer*innen stattfinden. Darüber hinaus sind aus Sicht der Herstellerfirma gezielte Kooperationen mit den End-of-Life-Parteien anzustreben, um die werterhaltende Produktrückführung im Rahmen einer Closed-Loop Supply Chain voranzutreiben.* Luger, T. (2009): Rücknahmesysteme – Voraussetzung für ein erfolgreiches Refurbishing (abgerufen am: 11.07.2023), S. 12-14; 17; 20.

 

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Hinweis auf bestehende Rücknahmesysteme

Der Hinweis auf bestehende Annahmestellen bzw. die (freiwillige) Produktrücknahme durch das herstellende Unternehmen hilft, die Rückgabequote von Altgeräten/-komponenten im Rahmen des Remanufacturings zu erhöhen. So kann die Herstellerfirma die für Kund*innen relevanten Informationen zur Produktrücknahme z. B. in den beigelegten technischen Datenblättern oder auf der firmeneigenen Homepage bereitstellen. Als Orientierungshilfe kann hier bspw. die im Rahmen des Batteriegesetzes (§ 18 BattG) geforderte Hinweis- und Informationspflicht dienen. Die Informationsbereitstellung kann ebenso in Form von Informationskampagnen erfolgen,* Deutsche Umwelthilfe e.V. (2021): Kreislaufwirtschaft in der Solarbranche stärken – Alte Photovoltaik-Module für den Klima- und Ressourcenschutz nutzen, Radolfzell (abgerufen am: 10.07.2023), S. 6. welche Verbraucher*innen gezielt auf zertifizierte Annahmestellen für Altgeräte/‑komponenten hinweisen. 

Beispiele aus der Forschung und Entwicklung

Cleanup-Sneaker

  • Etablierung einer Kreislaufwirtschaft im Textilbereich, um die durch den Export von europäischen Gebrauchttextilien hervorgerufenen Umweltauswirkungen in Afrika zu reduzieren.
  • Der Marabu Sneaker besteht zu 31,3 % aus erneuerbaren Materialien und zu 59,1 % aus Rezyklat, welches aus in Kenia gesammelten Altsneakern gewonnen wird.
  • Erhebung eines Produktpfands (10 €) auf den Marabu Sneaker zur Erhöhung der Rückgabequote.

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E-waste Compensation and International Financing Mechanisms with Nigeria (ECoN)

  • Nachhaltige Sammlung und Behandlung von Elektroschrott in Nigeria.
  • Entwicklung eines Modells zur Kompensationszahlung für das sachgerechte Recycling von Elektroschrott.
  • Im Rahmen des Projekts wurden 30 Tonnen Elektroschrott in Nigeria gesammelt und verarbeitet. 

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Gute Praxis Beispiele

Rückführung von Altgeräten via Produkttausch

Der Baumaschinenhersteller Caterpillar betreibt unter der Marke Cat Reman das Remanufacturing von Spezialfahrzeugen aus eigener sowie Fremdproduktion. Über ein Tausch-Modell werden die gebrauchten Maschinen gegen einen Aufpreis durch ein gleichwertiges Remanufacturing-Produkt ersetzt. Ein Altteilmanagementsystem ermittelt für das jeweilige Produkt ein individuelles Pfand, das die spätere Produktrückgabe durch die Kundschaft sicherstellen soll. Bei der Rückgabe des Gebrauchtgerätes an Caterpillar wird dieses Pfand an die Kund*innen ausgezahlt. Die aufgearbeiteten Produkte werden von Caterpillar anschließend als neuwertige Produkte zu einem geringeren Preis als das Neuprodukt angeboten.

Literatur:

Kampker, A.; Hollah, A.; Kreisköther, K. und Lienemann, C. (2016): Electromobile Remanufacturing – Nutzenpotenziale für batterieelektrische Fahrzeuge [online]. In: 5th Conference on Future Automotive Technology Focus Electromobility [abgerufen am: 03.07.2023], verfügbar unter: mediatum.ub.tum.de/doc/1319483/1319483.pdf

Remanufacturing von Automobilteilen gegen Produktpfand

Die Borg Automotive Group bietet im Rahmen ihres Remanufacturing-Programms Reman wiederaufbereitete Automobilteile mit zwei Jahren Garantie ohne Kilometerlimit an. Für die aufbereiteten Teile wird ein Produktpfand erhoben, um die Rückgabe am Ende der Produktnutzung sicherzustellen. Kund*innen erhalten das hinterlegte Pfand mit der Einsendung des Bauteils an Borg Automotive zurück. Die eingesendeten Bauteile werden eingelagert und anschließend nach Bedarf wieder aufgearbeitet.

Literatur:

Borg Automotive Reman (2023): Remanufacturing Erklärt [online] [abgerufen am: 11.07.2023], verfügbar unter: borgautomotive-reman.com/de/was-wir-tun/remanufacturing-erklaert

Weiterführende Informationen

Kreislaufführung von Produkten und Bauteilen

Ganze Bauteile und Produkte können beispielsweise durch neue Geschäftsmodelle wie Leasing oder Aufbereitungsprozesse wie das Remanufacturing oder das Retrofit dem Lebenszyklus wieder zugeführt werden.

Kurzanalyse Nr. 29: Neue Geschäftsmodelle und Ressourceneffizienz

Wertschöpfung neu denken und Ressourcen sparen: Neue Trends führen dazu, dass klassische Geschäftsmodelle weiterentwickelt werden oder ganz neue Wege wirtschaftlichen Handelns entstehen.

Kurzanalyse Nr. 18: Ressourceneffizienz durch Remanufacturing

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können mit dem Aufarbeiten von Altteilen Material und Energie einsparen. Die Kurzanalyse „Ressourceneffizienz durch Remanufacturing – Industrielle Aufarbeitung von Altteilen“ des VDI ZRE zeigt, dass die Wiederverwendung gebrauchter Produkte große Ressourceneffizienzpotenziale birgt.

Ökologische und ökonomische Bewertung des Ressourcenaufwands – Remanufacturing von Produkten

Die Erkenntnisse aus der Ökobilanzierung und den Kostenberechnungen dieser Studie sollen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei Entscheidungen über wichtige produkt- und prozessbezogene Veränderungen unterstützen.
 

Matrix zur systematischen Bewertung des Remanufacturing-Potenzials
 

Die Bewertungsmatrix dient als Grundlage für eine systematische Produktbewertung in Hinblick auf die Kreislaufwirtschaft. Sie hilft Unternehmen, Produkte spezifisch auf ihre Eignung zum Remanufacturing hin zu untersuchen. Durch die strukturierte Abfrage von Kriterien erfolgen eine systematische Bewertung und Identifikation von fördernden und hemmenden Faktoren für das Remanufacturing eines Produkts. Diese Kenntnisse tragen somit zu grundsätzlichen Entscheidungen über die Eignung für ein Remanufacturing bei. Außerdem kann an der systematischen Verringerung von hemmenden Faktoren gearbeitet werden.

Ressourceneffizienz durch Remanufacturing – Aus Alt mach Neu

Video: Ressourceneffizienz durch Remanufacturing – Aus Alt mach Neu

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