Eingangsprüfung

Sicht-/Funktionsprüfung, ggf. Vorsortierung und Vorreinigung

Die Eingangsprüfung des Bauteils/Gerätes muss durch eine fachkundige Person erfolgen. Diese Person muss über alle für das Remanufacturing erforderlichen Informationen der Herstellerfirma verfügen. Neben Demontageanweisungen beinhaltet dies sämtliche Gefährdungen, die im Umgang mit dem entsprechenden Altgerät bzw. dessen Komponenten auftreten können. Die Sichtprüfung dient dazu, äußere und innere Schäden sowie Verschleiß zu erkennen und die im Rahmen der Aufarbeitung erforderlichen Arbeitsschritte festzulegen.* Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (2021): Prüfung von maschinentechnischen Arbeitsmitteln der Veranstaltungstechnik, Berlin, DGUV Information 315-390 (abgerufen am: 27.06.2023), S. 21; 29.

Hier kann ggf. eine erste Funktionsprüfung sinnvoll sein, um das weitere Vorgehen so effizient wie möglich zu gestalten. Über eine Funktionsprüfung lässt sich ebenfalls eindeutig sicherstellen, ob der Zustand des Altgeräts/der Komponente ein Remanufacturing zulässt* Huang, W.; Jiang, Z.; Wang, T.; Wang, Y. und Hu, X. (2020): Remanufacturing Scheme Design for Used Parts Based on Incomplete Information Reconstruction. In: Chinese Journal of Mechanical Engineering, 33 (41) (abgerufen am: 29.05.2023), S. 3. . Checklisten mit vordefinierten Kriterien dienen den Arbeitskräften hierbei als Orientierungshilfe.* Schlüter, M.; Lickert, H.; Schweitzer, K.; Bilge, P.; Briese, C.; Dietrich, F. und Krüger, J. (2021), AI-enhanced Identification, Inspection and Sorting for Reverse Logistics in Remanufacturing. In: Procedia CIRP, 98, (abgerufen am: 12.07.2023), S. 302. Je nach Verschmutzungsgrad kann eine Vorreinigung des Bauteils/Gerätes sinnvoll sein, um die anschließende Demontage zu erleichtern. Werden durch das Remanufacturing-Unternehmen zudem verschiedene Produktvarianten zeitgleich bearbeitet, bietet sich die Vorsortierung der Altgeräte/Komponenten an, um einen reibungslosen Ablauf des Demontageprozesses zu gewährleisten.

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Produkt-/Materialidentifizierung durch KI-basierte Assistenzsysteme mittels produktinhärenter Merkmale

Wird das Remanufacturing nicht durch das herstellende Unternehmen, sondern von externen Dienstleistungsunternehmen durchgeführt, kann insbesondere bei fehlender oder unleserlicher Produktkennzeichnung (z. B. Teilenummer, Typenschild) die Produkt- bzw. Materialidentifizierung erschwert sein. Produktinhärente Merkmale* Fraunhofer IFF (2022): PRIMER – Produktidentifikation und -verfolgung durch die Nutzung produktinhärenter Merkmale (online) (abgerufen am: 27.06.2023). helfen, diese Informationslücke zu schließen, indem KI-basierte Assistenzsysteme die Arbeitskräfte bei der Sortierung von Altteilen im Rahmen der Eingangsprüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip unterstützen. 

Bauteilmerkmale wie Form, Farbe, aber auch Größe, Gewicht und Volumen dienen dem KI-System hierbei zur Komponentenidentifikation. Die aus der bildbasierten Informationsverarbeitung gewonnenen Ergebnisse werden anschließend mit den Kundschafts-/Lieferdaten abgeglichen. Sollte die Bildverarbeitung des Systems dennoch an losen/verbrannten Komponenten oder Beschädigungen scheitern, können Arbeitskräfte der Eingangskontrolle Informationen nach Bedarf ergänzen.* Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (2022): Aus alt mach neu: Ein zweites Leben für Fahrzeug-Bauteile, München (abgerufen am: 27.06.2023), S. 1–3.

 

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Beispiele aus der Forschung und Entwicklung

Zirkuläre Produktion für hochintegrierte Komponenten der Elektromobilität (ZIRKEL)

  • Entwicklung von wirtschaftlichen Demontageprozessen und Recycling-Routen für Traktionsbatteriesysteme und Elektromotoren zur Schließung von Materialkreisläufen innerhalb der Elektromobilität.
  • KI-gestützte Eingangsprüfung legt die Recyclingroute entsprechend den R Strategien fest.
  • Intelligente Trennprozesse zur minimalinvasiven Trennung von Fügeverbindungen sowie materialselektive Zerteilung mit minimalem Materialverlust.

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Sensorische Erfassung, automatisierte Identifikation und Bewertung von Altteilen anhand von Produktdaten sowie Informationen über bisherige Lieferungen (EIBA)

  • System für die bildunterstützte Erkennung und Bewertung des Zustands von gebrauchten Produkten/Altteilen.
  • Der Einsatz von maschinellem Lernen und Deep Learning führt zu weniger Fehleinschätzungen bei der Produktidentifikation.
  • Die Kombination von KI-basierter und menschlicher Entscheidungsfindung führt zu einer Durchsatzsteigerung des Produktbefindungsprozesses.

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Effiziente und wirtschaftliche kreislauforientierte Demontage und Aufbereitung (EKODA)

  • Schließung von Stoffkreisläufen im Automobilbereich durch effiziente und wirtschaftliche Demontage- und Remanufacturing-Prozesse von Gebrauchtteilen/-komponenten.
  • KI-gestütztes Bewertungssystem legt auf Basis technologischer, ökonomischer und ökologischer Faktoren die optimale Verwertungsroute fest.
  • Ein digitaler Zwilling dient zur Machbarkeitserprobung bzw. Optimierung der Remanufacturing-Konzepte.

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Gute Praxis Beispiele

Intelligentes Assistenzsystem für Komponenten-Identifikation

Die Liebherr-Ettlingen GmbH hat sich auf das Remanufacturing von Antriebskomponenten spezialisiert. Die ausgedienten Motoren werden nach ihrer Anlieferung zerlegt und die wiederverwendbaren Komponenten anschließend gereinigt. Nach der Befundung erhalten die gereinigten Teile eine Identifikationsnummer und werden als zukünftige Ersatzteile vor Ort eingelagert. Zur Komponentenidentifikation der über 600 Motorvarianten setzt Liebherr das intelligente Assistenzsystem „Der Schlaue Klaus” der OPTIMUM datamanagement solutions GmbH ein. Die Bildverarbeitungssoftware des Assistenzsystems ist auf eine intelligente Datenbank gestützt, die durch die Erfassung neuer Teile fortlaufend um weitere Stammdaten (z. B. Gewicht und Kontur) ergänzt wird. Das System lernt so mit jedem zu begutachtenden Teil hinzu, wodurch eine gezielte Justierung der Erkennungssoftware ermöglicht wird. Das System benötigt für die Identifizierung der Teile in der Regel zwischen zehn und 20 Sekunden, die Erkennungssicherheit beträgt 90 %. Diese Genauigkeit ist bereits ausreichend, um Fehleinlagerungen zu verhindern. Die nunmehr verkürzte Durchlaufzeit der Teilebegutachtung wirkt sich ebenso positiv auf die Produktivität des Remanufacturing-Betriebs aus, da durch die höhere Anzahl eingelagerter Ersatzteile Aufträge insgesamt schneller abgearbeitet werden können. Gleichzeitig werden qualifizierte Fachkräfte zeitlich entlastet, sodass mehr Zeit bspw. für das Qualitätsmanagement aufgewendet werden kann.

Literatur:

Liebherr-Components AG (2018): Liebherr führt intelligentes Assistenzsystem für Komponenten-Identifikation ein, Nussbaumen (Schweiz) [abgerufen am: 28.07.2023], verfügbar unter: www.liebherr.com/shared/media/corporate/news/news-2018/10/12/liebherr-schlauer-klaus.pdf

IT-gestützte Wareneingangskontrolle von Medizinprodukten 

Die Vanguard AG bietet ihrer Kundschaft das Remanufacturing von gebrauchten medizinischen Einmalprodukten aus den Bereichen Elektrophysiologie und Chirurgie an. Die Identifizierung der angelieferten Produkte erfolgt mithilfe einer IT-gestützten Wareneingangskontrolle. Hierfür werden die gebrauchten Vanguard-Medizinprodukte unter Verwendung eines Lasers mit einer individuellen Identifikationsnummer versehen. Produkte, die defekt oder nicht wiederherstellbar sind, werden ausselektiert. Ein IT-basiertes Tracking-System ermöglicht anschließend die Nachverfolgung der aufgearbeiteten Produkte ab dem Zeitpunkt des Remanufacturing-Prozesses bis zur Auslieferung an die Kundschaft.

Literatur:

Vanguard AG: Mit Vanguard alles im grünen Bereich [online] – Medical Remanufacturing [abgerufen am: 30.07.2023], verfügbar unter: www.vanguard.de/vanguard-produkte/medical-remanufacturing/

Weiterführende Informationen

Echtzeitdaten: Wareneingang und Anlieferung
Beim Übergang von Logistik zur Produktion erfolgt aus Haftungs- und Qualitätsgründen immer eine zumindest stichprobenartige Qualitätskontrolle der angelieferten Waren. Die hierbei anfallenden Daten können nicht nur papierbasiert, sondern, wie meist bereits üblich, ebenso digital erfasst und verarbeitet werden. Hierbei existieren bereits heute Technologien, welche auch eine Echtzeitfähigkeit ermöglichen.