Zerlegbarkeit / Modularität und Langlebigkeit
Upgradefähigkeit für Geräte/Komponenten, die technologischem Wandel bzw. schnelllebigen (Mode-)Trends unterworfen sind
Die rasante Entwicklung moderner Technologien, insbesondere im Bereich der Informationstechnologie, aber auch die massive Produktverbreitung führen dazu, dass besagte Produkte bei der Einführung neuer Innovationen infolge von Technologiesprüngen schnell veralten und von Nutzer*innen zeitnah durch ein Neugerät ersetzt werden. Lässt sich das betroffene Gerät bzw. dessen veraltete Komponente jedoch durch ein Upgrade (Hardware/Software) auf den aktuellen Stand der Technik bringen, kann die Dauer der Gerätenutzung effektiv verlängert werden. Die Upgradefähigkeit sollte daher grundsätzlich bereits in die Produktplanung Eingang finden. So kann ein modularer Geräteaufbau z.B. die technische Umsetzung von Hardware-Upgrades in der Nutzungsphase erleichtern.* Xing, K.; Belusko, M.; Luong, L. und Abhary, K. (2007): An evaluation model of product upgradeability for remanufacture. In: The International Journal of Advanced Manufacturing Technology, 35, S. 1–14 (abgerufen am: 30.06.2023). Dies spart nicht nur wertvolle Ressourcen ein, sondern kann Kund*innen ebenfalls zu einer nachhaltigeren Kaufentscheidung bewegen, vor allem wenn entsprechende Upgrades am Produkt ohne Spezialwerkzeug und besonderes Fachwissen eigenständig durchgeführt werden können.
Softwareupdates zum Erhalt der Leistungsfähigkeit
Die Ausgabe von Softwareupdates dient dazu, die Leistungsfähigkeit bzw. den Stand der Technik im Rahmen des After-Sales-Managements zu erhalten, sodass sich die Nutzungsdauer eines Produkts insgesamt verlängert. Die Updatefähigkeit der Software ist jedoch an die vorhandene Hardware gekoppelt. So muss die Hardware durch die Herstellerfirma entsprechend der im Nutzungszeitraum erwarteten technologischen Entwicklung ausgelegt und jedes spätere Softwareupdate bereits in die Produktplanung miteinbezogen werden.* Kampker, A.; Hollah, A.; Kreisköther, K. und Lienemann, C. (2016): Electromobile Remanufacturing – Nutzenpotenziale für batterieelektrische Fahrzeuge (online). In: 5th Conference on Future Automotive Technology Focus Electromobility (abgerufen am: 03.07.2023), S. 4.
Modulare Bauweise von Komponenten mit kurzer Lebensspanne
Ein modularer Produktaufbau vereinfacht die Demontage und Aufarbeitung, indem veraltete Teile/Komponenten durch modernere Varianten ersetzt* Fasko, R. und Glättli, S. (2016): Geschäftsmodelle zur Förderung einer Kreislaufwirtschaft – Grundlagenbericht und Workshopergebnisse, Biel, durabilitas.doc, N°2 (abgerufen am: 04.07.2023), S. 14. bzw. Komponenten mit kurzer Lebensspanne (z. B. Batterien) oder starker Abnutzung unter geringem Aufwand erneuert werden können. Ein modulares Produktdesign vereinfacht zudem den Austausch bzw. die Weiternutzung einer aufgearbeiteten Komponente innerhalb der Produktfamilie* Steinke, L. (2021): Optimierung geschlossener Wertschöpfungskreisläufe bei beschränkten Kapazitäten, Hamburg (abgerufen am: 04.07.2023), S. 2. , sodass sich die Produktlebensdauer insgesamt erhöht.
Verringerung von Produktvarianten
Ein einheitliches Produktdesign, insbesondere von Kernkomponenten, vereinfacht die Weiternutzung innerhalb der Produktfamilie, sodass sich die Produktlebensdauer einer aufgearbeiteten Komponente signifikant verlängert. Darüber hinaus hat die Reduzierung von Produktvarianten einen positiven Einfluss auf die Produktionsplanung* Haumann, M. (2011): Variantenmanagement in der Refabrikation, Shaker Verlag GmbH, Aachen, Fortschritte in Konstruktion und Produktion. 19, ISBN 978-3-8440-0534-9 (abgerufen am: 04.07.2023), S. 3 f. , da der Refabrikationsprozess, vor allem die Demontage verstärkt automatisiert und damit kostengünstiger realisiert werden kann.* Poschmann, H. (2021): Konzeption und Entwicklung eines Robot Cognition Processors für adaptive Demontageanwendungen. Dissertation, Clausthal-Zellerfeld (abgerufen am: 04.07.2023), S. 1.
Standardisierung von Schnittstellen
Ein Austausch von Modulen bzw. Einzelkomponenten setzt produktseitig standardisierte Schnittstellen voraus. Diese stofflichen, energetischen oder informationstechnischen Schnittstellen müssen durch das herstellende Unternehmen bereits in der Produktplanung entsprechend berücksichtigt werden, damit die Updatefähigkeit innerhalb des Produktlebenszyklus zu jeder Zeit gewährleistet ist.* Schulze, V.; Aurich, J. C.; Groche, P.; Herrmann, C.; Lanza, G.; Möhring, H.-C.; Wulfsberg, J.; Mantwill, F.; Albers, A.; Bender, B.; Gerhard, D.; Jacobs, G.; Matthiesen, S.; Stark, R. und Vietor, T. (2021): Update-Factory für ein industrielles Produkt-Update – Ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, Aaachen (abgerufen am: 04.07.2023), S. 24. Die Standardisierung von Schnittstellen schafft im Rahmen des Remanufacturings zudem die Grundvoraussetzung dafür, dass funktionsgleiche Teile als Ersatzteile innerhalb der Produktfamilie einsetzbar sind.
Untersuchung der Produktlebensdauer
Um die für das Remanufacturing erforderlichen Aufarbeitungsschritte so effizient wie möglich zu gestalten, sind Kenntnisse über die maßgeblichen Versagensmerkmale eines Gebrauchtteils/Altgeräts unabdingbar.* Wang, H.; Jiang, Z.; Zhang, H.; Wang, Y.; Yang, Y. und Li, Y. (2019): An Integrated MCDM Approach Considering Demands-Matching for Reverse Logistics. In: Journal of Cleaner Production, 208, S. 199 – 210 (abgerufen am: 29.06.2023), S. 4. Die gezielte Analyse von Altteilen hinsichtlich ihrer vorrangigen Schadensmechanismen hilft, Aussagen über die durchschnittliche Lebensdauer eines Produkts zu treffen. Darüber hinaus sollten verschleißanfällige Komponenten einer Lebensdauer- und Haltbarkeitsprüfung unterzogen werden.* DIN e. V.; DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik und VDI Technologiezentrum GmbH (2023): Deutsche Normungsroadmap – Circular Economy, Berlin (abgerufen am: 12.07.2023), S. 49. Durch die gezielte Eliminierung von Schwachstellen (z. B. Schweißverbindungen) und das hieraus resultierende optimierte Produktdesign lässt sich die spätere Produktlebensdauer so bereits in der Produktplanung signifikant verlängern.
Demontagefreundliches Produktdesign
Ein demontagefreundliches Produktdesign hilft, Baugruppen und Komponenten für eine Wieder- bzw. Weiterverwendung zerstörungsfrei zu demontieren. Grundvoraussetzung hierfür ist jedoch die Umkehrfähigkeit aller Montagevorgänge z. B. durch die Verwendung einfach zu lösender Verbindungen. Darüber hinaus sollten die Verbindungselemente vor Beschädigung durch Alterung, Verschmutzung oder Korrosion geschützt werden. So kann bspw. die Verwendung von Schutzkappen über Mutter und Gewinde die Lösbarkeit einer Schraubverbindung über den gesamten Produktlebensweg sicherstellen. Ebenso sollten Verbindungselemente so angebracht sein, dass sie leicht auffindbar und ohne den Einsatz von Spezialwerkzeugen für die Demontage gut zugänglich sind.* TU Wien – Institut für Konstruktionswissenschaft: ECODESIGN PILOT Version 3 (online) – Erhöhung der Demontagefreundlichkeit (abgerufen am: 20.02.2024).