Passivhäuser in Holzbauweise

Im Norden Berlins wurden auf dem Gelände des alten Schlachthofes drei 5-geschossige Passivhäuser in Holzbauweise mit insgesamt 41 Wohneinheiten durch das Architekturbüro Müllers Büro errichtet. Diese zeichnen sich durch folgende Merkmale als ressourceneffizient aus:

Energieeffizienz durch Passivhaus-Standard

Die hochwärmegedämmte äußere Hülle mit dreifachverglasten Passivhausfenstern mit Edelgasfüllung im Scheibenzwischenraum und gedämmten Rahmen minimiert die Wärmeverluste. Die Wände wurden mit einem zukunftsweisenden U-Wert von 0,087 W/m²K konstruiert. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung verhindert Lüftungswärmeverluste. Für den Restwärmebedarf machen Wärmepumpen die solare Erdwärme nutzbar. Über diese kann auch im Sommer eine Kühlung der Raumluft erfolgen. Auf den Dachflächen sind Photovoltaik-Anlagen geplant. Die Passivhäuser sind hinsichtlich Komfort und Energieeffizienz im Rahmen der heute wirtschaftlich nutzbaren Haustechnik optimiert. Die Bewohner werden langfristig von geringstmöglichen Betriebskosten profitieren, können Energiepreissteigerungen gelassen abwarten und ohne Sorge um die Finanzierbarkeit des eigenen Wohnraumes in die Zukunft blicken.

Tragkonstruktion aus nachwachsendem Rohstoff Holz

Holz zeichnet sich als ressourcenschonender Rohstoff aus, da er nachwachsend und CO2-neutral ist. Mit Ausnahme des Treppenhausturms wurde er in den Obergeschossen konsequent für alle tragenden Wände und Decken verwendet. Für das Erdgeschoss war eine Massivbauweise (Mauerwerkswände und Stahlbetondecke) erforderlich, da ursprünglich eine gewerbliche Nutzung vorgesehen war, die nun teilweise durch Wohnen ersetzt wird. Aus Brandschutzgründen musste das Treppenhaus in einem nicht-brennbaren Baustoff erstellt werden, weshalb hierfür Stahlbetonfertigteile gewählt wurden. Diese Ausbildung des Treppenhauses wurde im Tragwerkskonzept gleichzeitig für die Aussteifung ausgenutzt, so dass es als Aussteifungskern dient. Dadurch sind keine weiteren vertikalen Aussteifungselemente nötig, was eine sehr freie Gestaltung der Grundrisse und der Anordnung der Fensteröffnungen erlaubt. Zusammen mit dem geringen Eigengewicht des Holzes ermöglichte der Kern außerdem sehr dünne Dicken der Holzwände zwischen 10 und 14 cm. Dies hat zur Folge, dass trotz des hohen Dämmvermögens die Außenwände nicht dicker als 50 cm sind. Insgesamt wurden rund 400 m³ Holz als Hauptwerkstoff und weitere rund 500 m³ Holzwerkstoffplatten verbaut, die über die Nutzungsphase des Gebäudes als CO2-Speicher fungieren. Ein weiteres Plus von Holz ist, dass es sich gut für die Vorfertigung eignet und dadurch die Bauzeit minimiert werden kann: in der Bauphase konnte pro Woche ein Geschoss errichtet werden. So war es möglich, dass nach Baubeginn im März 2009 bereits im April 2010 die ersten Bewohner in ihr neues Zuhause einzogen. Dies führte zu einer Schonung der finanziellen Mittel, da die Bauherren nur für eine kurze Zeit die Doppelbelastung aus Miete und Finanzierungskosten schultern mussten.

Reduktion der Flächeninanspruchnahme

Der „Alte Schlachthof“ befindet sich auf der Grenze der beliebten Berliner Bezirke Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Nach dem Ende seiner Nutzung wurde das 50 Hektar große Gelände in den letzten 10 Jahren städtebaulich neu entwickelt. Dadurch ist auf den ehemals gewerblich genutzten Flächen im Zuge der innerstädtischen Verdichtung ein attraktives Wohngebiet entstanden. Durch die Umnutzung des Areals konnte die Inanspruchnahme von neuen Siedlungsflächen vermieden werden. Im Vergleich zu der angrenzenden Bebauung mit Reihenhäusern konnte durch die 5-geschossigen Stadthäuser eine deutlich intensivere Ausnutzung des Grundstückes erzielt werden. Dabei wurden die Häuser z. B. durch das Wohnen über zwei Etagen so konzipiert, dass sie in ihrer Wohnqualität mit der von Einfamilienhäusern vergleichbar sind.

Adaptierbarkeit an Wohnbedürfnisse

Da das Bauen einen hohen Ressourceneinsatz fordert, ist es wichtig, diese Ressourcen möglichst lange zu nutzen, d. h. die Lebensdauer eines Gebäudes zu maximieren. In Anbetracht sich wandelnder Wohnbedürfnisse ist dies nur über eine Flexibilität in der Nutzung möglich. Die drei Stadthäuser wurden so konzipiert, dass die Wohnungen sowohl geschossweise als auch in der Ebene „schaltbar“ sind. Dadurch ist es möglich, zu einem späteren Zeitpunkt Wohnungen zu trennen oder zu verbinden. Aufgrund der alternden Gesellschaft wird in Zukunft Barrierefreiheit immer wichtiger werden: Alle Ebenen, auch der doppelgeschossigen Wohnungen, sind mit dem Aufzug erreichbar. Die Haustüren wurden mit elektrischen Öffnern ausgestattet, damit auch Rollstuhlfahrer ungehinderten Zugang haben.

Fertiges Passivhaus, Holzbausweise, Treppenhaus aus Fertigbetonteilen, städtebauliche Einbindung (Bilder: www.muellersbuero.com) Fertiges Passivhaus, Holzbausweise, Treppenhaus aus Fertigbetonteilen, städtebauliche Einbindung (Bilder: www.muellersbuero.com)

Worauf warten Sie noch?

Sie haben bereits Ressourceneffizienz umgesetzt? Melden Sie sich bei uns mit aktuellen Projekten und Ideen. Oder möchten Sie detaillierte Informationen aus unserem Angebot?

Schreiben Sie uns!
Fehler beim Senden Fehler beim Senden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Vielen Dank Ihre Nachricht wurde erfolgreich gesendet. Wir werden uns umgehend mit Ihnen in Verbindung setzen.