Urin als Dünger

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Die Vorstellung den menscheneigenen Urin zum Recycling wiederverwenden zu können ist kein entfernter Gedanke mehr. Das schwedische Start-Up Sanitation360 hat es sich zum Ziel gemacht auf der Insel Gotland über drei Sommer während der Tourismussaison in Urinalen und Spezialtoiletten an mehreren Standorten rund 70000 Liter Urin zu sammeln, welcher dann beispielsweise als Dünger genutzt werden kann. Die Gründerinnen und Gründer des Unternehmens haben ein Verfahren entwickelt, welches ihnen ermöglicht aus getrocknetem Urin ein Pulver herzustellen, welches man für Düngemittelpellets benutzen kann. Der Dünger wird derzeit bei einem regionalen Landwirt für Gerste verwendet aus welchem Bier hergestellt wird, womit nach Ausscheidung der Urin wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann. Die Vorteile der neuen Technologie sind zahlreich: man kann sie weltweit an verschiedenen Orten und beliebigen Maßstäben einsetzen und die positiven Umweltaspekte gehen über den natürlichen Dünger hinaus bis hin zur Entlastung von Abwassersystemen und die Einführung des Urins in industriellen Prozessen. Weitere Forschungsgruppen versuchen gerade aktiv einzelne Nährstoffe des Urins zu extrahieren und für das Herstellen von Strom oder Ziegelsteinen zu verwenden.

Die größte Herausforderung liegt im Umdenken der Gesellschaft. Die Wiederverwendung und den Perspektivwechsel auf Urin durchzusetzen, sei ein nötiges Mittel angesichts der Rohstoffknappheit in der Industrie und Landwirtschaft. Bisher konnten sich die Pilotprojekt Toiletten nicht bei Nutzern und Nutzerinnen durchsetzen aufgrund von Geruch, Unhandlichkeit und Unzuverlässigkeit. Um dem Geruch entgegenzuwirken, wird versucht ein Trennsystem in der Toilette einzubauen, welche das Urin auffängt und im Tank mit einem Hydrolyseverfahren den Geruch mindert.

Selbst Landwirten und Landwirtinnen zeigen sich trotz der vielfältigen Einsatzmethoden kritisch und möchten es daher nur langsam in ihrem nachhaltigem Wandel einbauen.

Die Gründer undGründerinnen sowie die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der neuen Technologie rechnen jedoch die Vorteile vor und meinen, dass mit dem Umstieg in Gemeinden mit ihrer Urinabscheidung die Treibhausgasemissionen je nach Technologie um bis zu 47 Prozent senken könnten, ihren Energieverbrauch um bis zu 41 Prozent, den Süßwasserverbrauch um etwa 50 Prozent und die Nährstoffbelastung durch das Abwasser um bis zu 64 Prozent.

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