EINSPARPOTENTIAL DURCH ABWÄRMENUTZUNG

Etwa 44 % des Endenergiebedarfs in Deutschland entfiel im Jahr 2017 auf die Sektoren Industrie sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (vgl. Abbildung 1). Der größte Anteil davon wird in Industrie und Gewerbe zur Erzeugung von Wärme benötigt, wovon wiederum erhebliche Mengen als Abwärme ungenutzt verloren gehen. Ein enormes Einsparpotenzial wird dadurch verschenkt, denn durch energieeffiziente Abwärmenutzung könnten Unternehmen in Deutschland rund 5 Mrd. Euro jedes Jahr einsparen [1]. Die Nutzung von überschüssiger Prozesswärme trägt somit nicht nur zum Klima- und Umweltschutz bei, sondern erhöht zusätzlich noch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Abb. 1: Anteile der Sektoren am gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland in 2017

ABWÄRME IN DER INDUSTRIE

Bei nahezu allen thermischen und mechanischen Prozessen wird Energie in Form von Wärme freigesetzt. Potentielle Abwärmequellen finden sich in den unterschiedlichen Bereichen. Typische Quellen für relevante Mengen an Abwärme sind [2]&[3]:

  • Abluft aus Prozessen und Fertigungsbereichen

  • Prozessabwasser

  • Abgase aus Verbrennungsprozessen

  • Kühlwasser aus Kälteanlagen und Kühlsystemen

  • Druckluftkompressoren

  • Raumlufttechnische Anlagen

  • Gleichrichter, Trafos und EDV-Anlagen

  • Dampfsysteme

Abwärme wird entweder direkt an ein Trägermedium wie Wasser oder Luft abgegeben oder gelangt in Form von Wärmestrahlung in die Umwelt.

Erste Priorität sollte stets die Vermeidung von Abwärme haben. Durch geringere Mengen an Abwärme im Prozess wird eine höhere Energieeffizienz erreicht. Zudem ist die Nutzung von Abwärme stets mit planerischem und technischem Aufwand verbunden und verursacht zusätzlichen Investitionsbedarf und Betriebskosten. Eine vollständige Vermeidung von Energieverlusten durch Abwärme ist zwar in der Regel nicht möglich. Jedoch können durch bestimmte Maßnahmen ungewollte Wärmequellen stark reduziert werden. Hierzu zählen eine intelligente Prozess- und Verfahrensgestaltung, entsprechende Anlagen- und Gebäudetechnik mit hoher Energieeffizienz, sowie eine bestmögliche Wärmedämmung.

NUTZUNG DER ABWÄRME

Abwärme kann in unterschiedlichen Prozessen Anwendung finden (vgl. Abbildung 2). In welcher Weise die überschüssige Wärmeenergie genutzt werden kann, ist stark abhängig von der vorherrschenden Temperatur der Abwärmequelle. Anzustreben ist in aller Regel die vollständige Ausnutzung des Temperaturniveaus durch Auswahl einer Wärmesenke mit möglichst hohem Temperaturbedarf. Möglich ist auch eine Erhöhung der Temperatur im Wärmemedium mithilfe von Wärmepumpen [4]. Wird Abwärme mit hoher Temperatur beispielsweise im ORC-Prozess (Organic Rankine Cycle) genutzt um Strom zu erzeugen, kann die restliche Abwärme auf niedrigerem Temperaturniveau wiederum zur Wasservorerwärmung für Raumwärme dienen. Bei dieser Kaskadierung der Abwärme wird das Nutzungspotential optimal ausgeschöpft [5].

Innerbetriebliche Nutzung von Abwärme

Bevor über die Weitergabe von Abwärme an Dritte nachgedacht wird, sollte immer zuerst die Eigennutzung in Erwägung gezogen werden. Zumeist ist die innerbetriebliche Nutzung mit geringerem Aufwand und niedrigeren Investitionen verbunden. Abweichungen vom Regelfall können sich in Einzelfällen natürlich ergeben, weshalb eine ganzheitliche Betrachtung des möglichen Szenarios zur Abwärmenutzung stets empfehlenswert ist.

Um Abwärme innerbetrieblich optimal nutzen zu können ist zunächst eine Bestandsaufnahme erforderlich. Dabei werden die vorhandenen Wärmequellen und –senken, die Temperaturniveaus, die Wärmemenge, das Transportmedium, sowie die zeitliche Verfügbarkeit und der zeitliche Bedarf ermittelt. Abhängig von den Ergebnissen der Bestandsaufnahme bieten sich unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten der Abwärme, wie in Abbildung 2 dargestellt. Die Praxiserfahrung zeigt, dass im Bereich der industriellen Abwärmenutzung häufig Energieeinsparungen im zweistelligen Prozentbereich erzielt werden können. [1]

Abb. 2: Nutzungsmöglichkeiten von Abwärme (verändert nach: Deutsche Energie-Agentur GmbH (2015), S. 4 - 6)

Neben der direkten Weiternutzung der Wärme kann die Energie auch genutzt werden um Kälte oder elektrischen Strom zu erzeugen. Eine Absorptionskältemaschine mit Leistungszahl 0,6 – 0,75 kann aus 20 kW Abwärmeleistung eine Kälteleistung von 12 bis 15 kW generieren. Aus 500 kW Abwärmeleistung kann mithilfe einer ORC-Anlage (Organic-Rankine-Cycle) mit 10% Wirkungsgrad eine elektrische Leistung von 50 kW erzeugt werden [2, S. 5]. Das ORC-Verfahren kommt dabei schon mit vergleichsweise niedrigen Temperaturen der Abwärme ab 70 °C aus, um aus der enthaltenen nutzbaren Energie (Exergie) Strom zu generieren.

Austausch zwischen Unternehmen

Sind die Potenziale zur Abwärmenutzung im eigenen Unternehmen ausgeschöpft, bietet sich die Möglichkeit die überschüssige Wärmeenergie an ein anderes Unternehmen in der näheren Umgebung zu liefern. Um eine außerbetriebliche Abwärmenutzung planen und umsetzen zu können, ist das Vorhandensein von genauen Informationen zu Energiemengen, zeitlichen Schwankungen und der Ausfallsicherheit der Wärmequelle von großer Bedeutung. Die Bedarfe des potentiellen Wärmeabnehmers können dann mit dem Wärmeangebot des kooperierenden Unternehmens abgeglichen werden. Um einen optimalen Wärmeaustausch zwischen Unternehmen zu gewährleisten sollten folgende Bedingungen, die sich aus Erfahrungswerten ableiten, erfüllt werden: [6, S. 122 f.]

  • Die Temperatur am Austritt der Wärmequelle sollte mindestens 20 °C über der benötigten Temperatur der Wärmesenke liegen.

  • Je Meter Länge der Wärmeleitung sollte die jährlich gelieferte Energiemenge mindestens 2 MWhth betragen.

Ein Risiko, für das abnehmende Unternehmen, stellt die zwischenbetriebliche Abhängigkeit dar. Kann das liefernde Unternehmen die geforderte Stabilität der abzugebenden Wärmemenge versichern, lässt sich dieses Risiko jedoch minimieren. Ist die Wärmelieferung für das beziehende Unternehmen von essentieller Bedeutung, bietet es sich an eine Ersatzwärmequelle als Reserve für unvorhersehbare Fälle vorzuhalten.

Um den Austausch von überschüssiger Wärmeenergie zwischen Unternehmen zu erleichtern, ist in Thüringen im Rahmen eines Projektes der Thüringer Energie- und Green-Tech-Agentur (ThEGA) ein Abwärmekataster erstellt worden [7]. Darin sind die jeweiligen Abwärmequellen mit Angaben zu Art und Menge der möglichen Energielieferungen dargestellt. Dieses Projekt zeigt beispielhaft auf, wie eine Datenbank aussehen kann, in der sich Unternehmen über mögliche Wärmelieferanten und –abnehmer informieren können.

Wärmenetze

Sollte keine Möglichkeit zur direkten Abgabe von überschüssiger Wärmeenergie an umliegende Unternehmen bestehen, kann die Einspeisung in ein vorhandenes Fern- oder Nahwärmenetz eine Alternative darstellen. Fernwärme bezeichnet im Allgemeinen die Versorgung von Gebäuden mit Wärme mittels Weiterleitung vom Erzeuger oder von der Sammelstelle zu den Verbrauchern. Unter Nahwärme wird die örtliche Vernetzung von einzelnen Gebäuden, Gebäudeteilen oder kleinen Wohn- und Gewerbegebieten mit unabhängiger Wärmeerzeugung verstanden. Die technisch und juristisch korrekte Bezeichnung ist jedoch in jedem der genannten Fälle die Fernwärme. [8]

Wärmenetze sind zumeist mit zentralen Wärmespeichern ausgestattet und bieten daher den Vorteil Schwankungen der eingespeisten Energiemengen ausgleichen zu können. Dadurch wird den Abnehmern eine konstante Wärmeentnahme ermöglicht und die Versorgungssicherheit gewährleistet. Auch kann durch Speichersysteme die Volllaststundenanzahl erhöht und somit die Effizienz des Systems gesteigert werden. [6, S. 44]

Die Einspeisung kann prinzipiell im Vor- oder auch im Rücklauf geschehen. Es sind jedoch, je nach gewählter Einspeisestelle, unterschiedliche Mindesttemperaturen zu erfüllen. Im Fernwärmenetz sind Vorlauftemperaturen von 80 bis 140 °C üblich. Die Rücklauftemperaturen liegen zumeist in etwa 30 bis 40 °C darunter. Die benötigten Temperaturen in Nahwärmenetzen sind mit 70 bis 90 °C im Vorlauf und 50 bis 55°C im Rücklauf deutlich niedriger. [9, S. 40]

Sollen regenerative Energien zur Wärmeerzeugung genutzt und in ein Wärmenetz eingespeist werden, bieten Niedertemperatur-Wärmenetze eine praktikable Lösung. Die dort erreichten Temperaturen von zumeist maximal 70 °C passen beispielsweise sehr gut zum Wärmeprofil von Solarkollektoranlagen. Außerdem können durch den geringeren Temperaturunterschied zwischen Wärmenetz und Umgebung die Übertragungsverluste verringert werden. Zudem ist die Einspeisung für die einzelnen angeschlossenen Wärmelieferanten durch das niedrigere Temperaturniveau erleichtert. Mithilfe von Zwischenspeichern (bspw. große Saisonspeicher) im Wärmenetz können auch hier Schwankungen in der Einspeisung ausgeglichen und eine bessere Abdeckung des Bedarfes sichergestellt werden. Bisher sind Niedertemperatur-Wärmenetze in Deutschland noch nicht sonderlich verbreitet. In Dänemark hat sich hingegen die Nutzung solcher Netze bereits etabliert. [10, S. 8 f.]

In innovativen Wärmenetzen (Wärmenetze 4.0) auf Niedertemperaturniveau speisen gewöhnlich mehrere regenerative Wärmeerzeuger in Kombination in das Netz ein. Dadurch wird die teils stark schwankende Erzeugung der Wärmeanlagen ausgeglichen und den Abnehmern steht eine kontinuierliche und gesicherte Menge an Wärmeenergie zur Verfügung. [10, S. 15]

Die Abnahme von überschüssiger Wärmeenergie muss nicht zwangsläufig innerhalb des Industrie- oder Gewerbegebiets geschehen. Neben Unternehmen bieten sich auch Gebäude aus nahegelegenen Wohngebieten als Wärmesenke an. Entsprechend des zur Verfügung stehenden Temperaturniveaus kann das Netz dabei als Fern-, Nah- oder Niedertemperatur-Wärmenetz geplant werden. Wärmepumpen sind beispielsweise eine bewährte Technologie um Energie aus Niedertemperaturnetzen im Gebäude auf ein höheres Temperaturniveau zu heben und somit besser nutzbar zu machen.

Mit der Nutzung von Wärmeverbünden ergeben sich zahlreiche Chancen für alle Beteiligten [9, S. 62]:

  • unterschiedliche Ausbaustufen von Wärmesenken

  • Nutzung von als emissionsfrei angesehener Abwärme

  • Imagegewinn für das Unternehmen und Steigerung der Nachhaltigkeit im Unternehmen

  • Aufbau einer Beziehung zwischen Unternehmen und Wohngebiet: positive Stimmung, höhere Akzeptanz für die Unternehmen vor Ort

Folgende Aspekte sind bei der Planung und Umsetzung eines Wärmenetzes mit industrieller Abwärme zu beachten [9, S. 62]:

  • evtl. hoher organisatorischer Aufwand durch verschiedene Beteiligte: Unternehmen, öffentliche Hand, Wärmeabnehmer, Contracting-Partner

  • möglicherweise lange Amortisationszeiten: Planung auf lange Sicht notwendig

  • eine erforderliche Mindestanzahl von Wärmeabnehmern bzw. einer Wärmemenge sollte sichergestellt sein (für Abnehmer muss die Umstellung/der Anschluss rentabel sein)

  • rechtliche Besonderheiten müssen geklärt sein (z. B. eine Zusicherung der Abwärme für einen festen Zeitraum)

  • hohe Anfangsinvestitionen können anfallen (abhängig von der Transportentfernung)

  • Absicherung durch einen Ersatzwärmeerzeuger ist sinnvoll

Hinzu kommen technische Beschränkungen bei der Planung und Umsetzung von Wärmenetzen mit dezentraler Einspeisung. Die Integration einer Wärmequelle in ein leitungsgebundenes Verteilnetz gestaltet sich grundlegend anders als eine Stromquelle ins Stromversorgungsnetz einzubinden. Da der Energietransport im Wärmeverteilnetz auf Strömung basiert, die von Pumpen erzeugt wird, ist eine Veränderung der transportierten Wärmemenge nur in geringem Ausmaß möglich. Das Netz muss zudem bestimmte hydraulische Gegebenheiten erfüllen, weshalb eine Einspeisung größerer Wärmemengen nicht an jedem Punkt des Netzes möglich ist. Durch intelligente Regelmechanismen kann die Einspeisung den Anforderungen nach optimal gesteuert werden. In bestehenden Wärmenetzen sind daher technische Anschlussbedingungen festgelegt, durch deren Einhaltung die Funktionalität der Netze sichergestellt werden soll. [10, S. 17]

Bedingt durch den hohen organisatorischen Aufwand und die rechtlichen Anforderungen wurden in Deutschland bisher nur wenige Projekte in diesem Bereich realisiert [9, S. 62 f.]. Neue Förderprogramme zur finanziellen Unterstützung von Abwärmenutzung und zu Niedertemperaturwärmenetzen (Wärmenetze 4.0) bieten allerdings attraktive Anreize für Unternehmen und kommunale Betriebe in dieser Richtung tätig zu werden[1].

RECHTLICHE ASPEKTE

Da Rohre zur Weiterleitung von Wärme in der Regel zu großen Teilen auf Grundstücken verlegt werden die der entsprechenden Kommune gehören, muss für die Verlegung und den Betrieb der Leitungen vom Wärmelieferanten eine Genehmigung bei der jeweiligen Kommunalverwaltung eingeholt werden. Für größere Wärmenetze wird meist ein Gestattungs- oder Wegenutzungsvertrag abgeschlossen. Die Kommunen sind von Rechtswegen aus dazu verpflichtet die Vergabe der Wegerechte diskriminierungsfrei sicherzustellen. [10, S. 22]

Als Medium zur Übertragung von Energie dient in Wärmenetzen meist Wasser bzw. Wasserdampf, welches als frei von umweltschädlichen Auswirkungen angesehen wird [11]. Da zudem die Leitungen meist unter der Erde verlegt werden, sind nur selten Umwelt- und Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung zu beobachten [11]. Außerdem liegt es im wirtschaftlichen Interesse des Wärmenetzbetreibers, die Verluste möglichst gering zu halten und daher eine entsprechende Isolierung der Rohre sicherzustellen. Der Erwärmung des Erdreiches und damit einhergehender Umwelteinwirkungen wird somit vorgebeugt. Da der Erdaushub durchaus umweltschädliche Auswirkungen haben kann, ist dieser genehmigungspflichtig. Auch ist es denkbar, dass zur Verlegung der geplanten Rohrleitungen Bäume gefällt werden müssen, wofür ebenfalls ein Antrag bei der zuständigen Behörde gestellt werden muss. Wärmenetze mit einer Länge von weniger als fünf Kilometern fallen normalerweise in den Geltungsbereich des Bebauungsplans. Sowohl Umweltverträglichkeitsprüfung als auch Planfeststellungs- oder Genehmigungsverfahren sind in diesem Falle nicht erforderlich [10, S. 23]. Für größere Wärmenetze können die genannten Prüfungs- und Genehmigungsverfahren durchaus erforderlich sein. Die Notwendigkeit dazu sollte in jedem Fall in der Vorplanung geprüft werden.

In der Richtlinie 2012/27/EU des Europäischen Rates heißt es: „Wird ein Gebäude über ein Fernwärmenetz oder werden mehrere Gebäude aus einer zentralen Anlage mit Wärme, Kälte oder Warmwasser versorgt, ist ein Wärme- oder Warmwasserzähler am Wärmetauscher oder an der Übergabestelle zu installieren“. Außerdem sollen, soweit technisch machbar und kosteneffizient durchführbar, auch individuelle Verbrauchszähler installiert werden. [12]

WIRTSCHAFTLICHKEIT

Durch die Nutzung von eigener oder fremder Abwärme im Unternehmen können eventuelle Investitionen zur Erweiterung oder Erneuerung von Energieerzeugungsanlagen entfallen. Zudem bietet die Abwärmenutzung, wie zuvor beschrieben, ein hohes Potenzial zur Energieeinsparung und dadurch auch hohe Kapitalrenditen mit entsprechend kurzen Amortisationszeiten [2]. Wird Abwärme effektiv abgeführt, kann sich der Bedarf zur Prozesskühlung verringern und ggf. Investitionen für Kühlanlagen entfallen.

Wird überschüssige Abwärme an Dritte abgegeben, erhält der wärmeliefernde Betrieb dafür eine Vergütung. Bei der direkten Weiterleitung an ein Unternehmen werden Angebot und Abnahme vertraglich mit diesem geregelt. Bei der Einleitung in ein Fernwärmenetz kann die Vergütung bspw. durch den Netzbetreiber erfolgen [10, S. 14 ff.]. Somit werden zusätzliche Umsätze generiert und zuvor ungenutzte Einkommensquellen erschlossen. Bei der Planung von Projekten zur Abwärme-Weiterleitung an Dritte werden zur ersten Abschätzung der Wirtschaftlichkeit zwei Parameter genutzt [6, S. 124]:

  • die Leistungsdichte, also die höchstens übertragbare Leistung pro Meter Leitungslänge

  • die übertragbare Energiemenge pro Leitungsmeter und Jahr.

Um die Wirtschaftlichkeit des Systems zu sichern, sollte die Leistungsdichte mindestens  1 kW/m und die übertragene Energiemenge mindestens 2 MWh/(m*a) betragen [6, S. 124].

BEISPIELE

Porzellan-Manufaktur in Berlin speist in Fernwärmenetz ein

Die Königliche Porzellan Manufaktur (KPM) in Berlin leitete bereits zu Beginn der 1870er Jahre überschüssige Wärme von einem Ofen in den nächsten. Seit 2017 wird nun auch Abwärme von vier Brennöfen, die vorher ungenutzt über den Schornstein in die Umwelt gelangte, in das Fernwärmenetz eingespeist. Somit wird eine Wärmeleistung von 1.000 kW sinnvoll genutzt um Wasser zu erwärmen. In einer Wärme-Rückgewinnungsanlage wird das Wasser auf 110 °C gebracht und die enthaltene Energie mit Hilfe des Wärmetauschers der Hausanschlussstation an das Berliner Fernwärmenetz abgegeben. Die eingespeiste Energie aus Abwärme wird allgemein als klimaneutral betrachtet. Mit der gelieferten Wärmemenge könnte insgesamt jedes Jahr 150.000-mal heiß geduscht werden. [13]

Außerbetriebliche Nutzung von Abwärme im Wärmeverbund Ingolstadt

Im Rahmen der Projektrealisierung wurde durch die Stadtwerke Ingolstadt eine 5.300 Meter lange Fernwärmeleitung von dem Chemiekonzern Petroplus zum bereits vorhandenen Heißwassernetz der Stadtwerke verlegt. Die zuvor ungenutzte Abwärme der Petroplus-Raffinerie in Höhe von etwa 130 GWh pro Jahr wird mittels Wärmetauschern an das Fernwärmenetz abgegeben. Auch die Müllverbrennungsanlage Ingolstadt speist jährlich zwischen 150 und 180 GWh Abwärme in das Netz ein. Größter Abnehmer der Wärme ist das Audi-Werk, mit einem jährlichen Wärmebedarf von 410 GWh. Ziel des Automobilkonzerns ist es, davon zukünftig zwei Drittel über Fernwärme zu decken. Insgesamt wird durch die Nutzung der Abwärme jedes Jahr der Ausstoß von 67.000 t CO2 vermieden. Allein mithilfe der Abwärme der Petroplus-Raffinerie (130 GWh/a) könnten ca. 6.500 Einfamilienhäuser beheizt und mit Warmwasser versorgt werden. Durch optimierte Prozesssteuerung konnte die MVA Ingolstadt außerdem ihre eingespeiste Wärmemenge um 20 Prozent erhöhen. [14]

FAZIT

Sowohl Wärmeabnehmer als auch –lieferanten können von der Nutzung und Vernetzung von Abwärme profitieren. Wurden im Unternehmen bereits alle Potenziale zur innerbetrieblichen Nutzung von Abwärme ausgeschöpft, kann die überschüssige Wärme entweder direkt an andere Unternehmen weitergeleitet oder in ein Wärmeverteilnetz eingespeist werden. Der Wärmelieferant wird für die ansonsten ungenutzte Energie vergütet und der Abnehmer kann im besten Fall Wärme zu deutlich geringeren Kosten beziehen, als vom herkömmlichen Wärmeversorger. Für innovative Abwärme-projekte stehen zudem attraktive finanzielle Förderprogramme vom Bund und von den Ländern zur Verfügung. Da Abwärme aus industriellen und gewerblichen Prozessen als klimaneutral angesehen wird, tragen alle beteiligten Unternehmen zum Klimaschutz bei. Weiterhin werden natürliche Ressourcen geschont, da durch Abwärmenutzung die Energieerzeugung aus konventionellen Anlagen reduziert werden kann.


Literaturverzeichnis

[1]            Deutsche Energie-Agentur GmbH (2017): Abwärme nutzen. praxiserprobt und wirtschaftlich [online]. Berlin, verfügbar unter: https://​shop.dena.de​/​sortiment/​detail/​produkt/​flyer-​abwaerme-​nutzen-​praxiserprobt-​und-​wirtschaftlich/​kategorien/​contracting/​

[2]            Deutsche Energie-Agentur GmbH (2015): Erfolgreiche Abwärmenutzung im Unternehmen [online]. Energieeffizienzpotenziale erkennen und erschließen, verfügbar unter: https://​shop.dena.de​/​fileadmin/​denashop/​media/​Downloads_​Dateien/​esd/​1445_​Broschuere_​Abwaermenutzung.pdf

[3]            Bayerische Staatsregierung (2019): Energie-Atlas Bayern [online] [abgerufen am:8. Juli 2019], verfügbar unter: https://​www.energieatlas.bayern.de​/​thema_​abwaerme/​betriebsintern/​nutzung.html

[4]            Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz (2017): Praxisleitfaden [online]. Abwärmenutzung in Unternehmen, verfügbar unter: https://​www.mittelstand-energiewende.de​/​leitfaeden/

[5]            VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH (2014): Stromerzeugung aus industrieller Abwärme [online], verfügbar unter: https://​www.ressource-deutschland.tv​/​themen/​allgemeines/​stromerzeugung-​aus-​industrieller-​abwaerme/​

[6]            McKenna, R. & Fichtner, W., Hg. (2011): Tagungsband des VDI-Expertenforums. Energieeffizienz in den Städten und der Industrie von morgen. Karlsruhe: KIT Scientific Publishing.

[7]            Thüringer Energie- und greenTech-Agentur GmbH (2019): Abwärme besser nutzen in Thüringen [online], verfügbar unter: https://​www.thega.de​/​abwaerme/​

[8]            Gammel Engineering GmbH (o. J.): Fernwärme, Nahwärme [online] [abgerufen am:8. Juli 2019], verfügbar unter: https://​www.gammel.de​/​de/​lexikon/​Fernwarme--​Nahwarme/​4760

[9]            Pichlmeier, F. (2018): Ressourceneffizienzpotenziale von Gewerbegebieten. Berlin. VDI ZRE Publikationen: Kurzanalyse. 22, verfügbar unter: https://www.ressource-deutschland.de/fileadmin/user_upload/downloads/kurzanalysen/VDI_ZRE_Kurzanalyse_Nr._22_Ressourceneffizienzpotenziale_von_Gewerbegebieten_bf_01.pdf

[10]          Schneller, A., Frank, L., & Töpfer, K.: Wärmenetze 4.0 im Kontext der Wärmewende [online]. Analyse der Regelungs- und Förderlandschaft innovativer Wärmenetzsysteme, verfügbar unter: https://www.adelphi.de/de/publikation/wärmenetze-40-im-kontext-der-wärmewende

[11]          Bruns, E.; Futterlieb, M. und Ohlhorst, D. & Wenzel, B. (2012): Netze als Rückgrat der Energiewende. Hemmnisse für die Integration erneuerbarer Energien in Strom-, Gas- und Wärmenetze. Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin. ISBN 978-3-7983-2471-8.

[12]          Europäisches Parlament und Europäischer Rat (2012): RICHTLINIE 2012/27/EU.

[13]          Vattenfall GmbH: Königliche Porzellan-Manufaktur KPM jetzt auch “Wärme-Manufaktur“ [online] [abgerufen am:8. Juli 2019], verfügbar unter: https://​group.vattenfall.com​/​de/​newsroom/​blog-​news-​presse/​blog/​2017/​05/​porzellan-​manufaktur

[14]          Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (2011): Wärmeverbund Ingolstadt [online]. Bayerns grösstes Projekt zur ausserbetrieblichen Nutzung von Abwärme [abgerufen am:8. Juli 2019], verfügbar unter: https://​www.energieatlas.bayern.de​/​thema_​abwaerme/​ausserbetrieblich/​praxisbeispiele/​details,​96.html


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