Das Bild zeigt den Abbruch eines Industriegebäudes mit einer Betonbohrmaschine. Neben der Maschine liegt Bauschutt. © PantherMedia / CHOKCHAI NAMTHI

Ressourcenverbrauch im Bauwesen

Das Bauwesen hat einen enormen Ressourcenbedarf. Gleichzeitig birgt dieser Umstand aber auch große Einsparpotenziale, weshalb dem Bauwesen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von Ressourceneffizienz zukommt.

Materialeinsatz im Bauwesen

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland 35,5 Mio. Tonnen Zement produziert. Dafür waren 51,0 Mio. Tonnen Rohstoffe und etwa 30 Terawattstunden Energie notwendig.  Von diesen 35,5 Mio. Tonnen Zement wurden wiederum 30,1 Mio. Tonnen für die Herstellung von Mörtel und Beton verbraucht.* VDZ (2021): Zementindustrie im Überblick 2021/2022, Düsseldorf, (abgerufen am: 16.05.2022), S. 5.

Das Bild zeigt im Vordergrund einen Bagger, dessen Schaufel auf einem Schutthaufen liegt. Im Hintergrund ist ein Haus im Baustellen-Zustand zu sehen.© PantherMedia / bogdan.hodaDieses Beispiel zeigt: Der Ressourcenbedarf im Bauwesen ist hoch. Im Jahr 2020 wurden beispielsweise etwa 55,3 Mio. Kubikmeter an Transportbeton hergestellt; Tendenz steigend* Statista (2021): Produktion von Transportbeton in Deutschland in den Jahren 2003 bis 2020 (online). Statista Research Department, (abgerufen am: 25.05.2022). . Um den Materialbedarf zu decken, wurden in Deutschland im Jahr 2018 rund 485 Mio. Tonnen Natursteine, Kiese und Sande gewonnen. Nur 12,5 Prozent des nationalen Gesamtbedarfs an Gesteinskörnungen konnten mit Recycling-Baustoffen und weitere 4,9 Prozent durch industrielle Nebenprodukte gedeckt werden* Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V. (2021): Deckung des Bedarfs an Gesteinskörnungen 2018 (in Mio. t) (online). Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V., (abgerufen am: 25.05.2022). . Darüber hinaus produziert Deutschland – im Vergleich zu anderen EU-Ländern – mit jährlich etwa 40 Mio. Tonnen die größte Menge an Rohstahl* Wirtschaftsvereinigung Stahl (2022): Rohstahlproduktion in Deutschland (online). Wirtschaftsvereinigung Stahl, (abgerufen am: 16.05.2022). . Die eingesetzte Stahlmenge in der Bauindustrie machte 35 Prozent des gesamten deutschen Stahlbedarfs im Jahr 2019 aus* Statista (2022): Verteilung des Stahlbedarfs nach Branchen in Deutschland im Jahr 2019 (online). Statista GmbH, 1. April 2022, (abgerufen am: 16.05.2022). .

Dieser enorme Materialeinsatz hat zur Folge, dass sich Rohstoffe in der gebauten Umwelt (sog. anthropogenes Lager) ansammeln. So fassen deutsche Wohn- und Nichtwohngebäude beispielsweise aktuell etwa 28,4 Milliarden Tonnen Baumaterial. Darin enthalten sind vor allem mineralische Materialien, gefolgt von Stahl, Holz und Kunstoffen* Umweltbundesamt (2022): Das anthropogene Lager (online). Umweltbundesamt (UBA), 11. Mai 2022, (abgerufen am: 16.05.2022). .

Während der größte Teil der Gebäude aktiv genutzt wird, die verbauten Materialien also nicht für eine Weiternutzung verfügbar sind, gibt es in der Verwertung von Gebäuden am Lebenszyklusende große Potenziale für mehr Ressourceneffizienz. Jährlich fallen etwa 230 Mio. Tonnen an Bau- und Abbruchabfällen an.
Das entspricht 55 Prozent des deutschen Abfallaufkommens* Bundesinstitute für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR im Bundesamt für Bauwesen und Raumentwicklung (2020): Umweltfußabdruck von Gebäuden in Deutschland - Kurzstudie zu sektorübergreifenden Wirkungen des Handlungsfelds 'Errichtung und Nutzung von Hochbauten' auf Klima und Umwelt. BBSR-Online-Publikation Nr. 17/2020, S. 32. .
Der Großtteil dieser Abfälle wird bereits umweltgerecht verwertet* Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V. (2021): Deckung des Bedarfs an Gesteinskörnungen 2018 (in Mio. t) (online). Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e. V., (abgerufen am: 25.05.2022). , d. h. vornehmlich im Tief- oder Deponiebau eingesetzt. Ressourceneffizienzpotenziale und Herausforderungen bestehen somit darin, diese Materialmengen auch für höherwertigere Zwecke einzusetzen bzw. Abfälle zu vermeiden.

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Bauwesen und Klimawandel

Das Bauwesen ist einer der größten Treiber des Klimawandels. Im Jahr 2014 entfielen auf die Errichtung und Nutzung von Hochbauten 40 Prozent der nationalen Treibhausgas (THG)-Emissionen. Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung werden etwa 75 Prozent der THG-Emissionen während der Nutzung und durch den Gebäudebetrieb verursacht. Der restliche Anteil entfällt auf die Emissionen der Baustoffindustrie und weiteren zuliefernden Unternehmen. Diese sogenannten grauen Emissionen entstehen überwiegend durch energieintensive Prozesse in der Herstellung von Zement, Kalk und Gips sowie die Verwendung von Kohle zur Stromproduktion* Bundesinstitute für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR im Bundesamt für Bauwesen und Raumentwicklung (2020): Umweltfußabdruck von Gebäuden in Deutschland - Kurzstudie zu sektorübergreifenden Wirkungen des Handlungsfelds 'Errichtung und Nutzung von Hochbauten' auf Klima und Umwelt. BBSR-Online-Publikation Nr. 17/2020. . Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass – abhängig vom Bilanzierungsrahmen – die grauen Emissionen eines energieeffizienten Neubaus durchschnittlich einen Anteil von bis zu 50 Prozent an den gesamten THG-Emissionen haben können* Elbers, U. (2022): Ressourcenschonendes Bauen – Wege und Strategien der Tragwerksplanung. In: Bautechnik, 99(1), 57-64. ISSN 0932-8351. doi:10.1002/bate.202100114 .

Private Haushalte und die Industrie verursachen jeweils circa 30 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs. In Wohngebäuden werden etwa 72 Prozent der Energie zur Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser benötigt. Aktuell kommen dafür bei 55 Prozent der 22 Millionen Gebäude in Deutschland Erdgas und Heizöl zum Einsatz. Etwas mehr als die Hälfte der Bestandsgebäude wurde vor dem Jahr 1977 errichtet, als es noch keine Verordnungen über energiesparenden Wärmeschutz gab* Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (2022): Bauen und Wohnen (online). Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, (abgerufen am: 12.05.2022). .

In der Industrie setzt sich der hohe Endenergiebedarf unterdessen aus der Erzeugung von Prozesswärme (67 Prozent) und mechanischer Energie (25 Prozent) zusammen* Umweltbundesamt (2022): Energieverbrauch nach Energieträgern und Sektoren (online) - Entwicklung des Endenergieverbrauchs nach Sektoren und Energieträgern, 25.03.2022, (abgerufen am: 04.05.2022). .

 

Potenziale für mehr Ressourceneffizienz

Bei der Erzeugung von Wärme in der Industrie gehen enorme Mengen an Abwärme verloren. Durch die intelligente Vernetzung von Wärme können industrielle Unternehmen diese Abwärme nutzen oder für andere Nichtwohngebäude und Wohngebäude nutzbar machen. Das trägt zum Klima- und Umweltschutz bei und erhöht zusätzlich die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Das Foto zeigt eine Nahaufnahme von einem Schutzhelm, der auf Bauplänen liegt. Zu sehen ist auch ein Zollstock. Im Hintergrund sieht man Kräne und ein Baustellen-Szenario.© PantherMedia / ArturVerkhovetskiyEin weiteres großes Ressourceneffizienzpotenzial besteht in der energetischen Modernisierung des Gebäudebestands. Konkret kann der Ressourcenverbrauch durch den Austausch fossil basierter Heizungssysteme und durch die Sanierung der Gebäudehülle reduziert werden. Durch Aufstockungen, Nachverdichtungen und Umbauten kann die Flächeneffizienz erhöht werden. Studien des VDI Zentrums Ressourceneffizienz zeigen, dass sich die Sanierung der Gebäudehülle häufig mit der Verwendung ressourcenschonender Dämmstoffe verbinden lässt. Damit wird nicht nur der Energieverbrauch in der Nutzungsphase langfristig gesenkt. Darüber hinaus lassen sich bereits in der Dämmstoffherstellung Energiebedarf und CO2-Emissionen nachhaltig reduzieren. Der Einsatz von Sekundärrohstoffen kann dabei ebenfalls einen wertvollen Beitrag leisten* Becker, N. und Pichlmeier, F. (2016): Ressourceneffizienz der Dämmstoffe im Hochbau. 3, Auflage. VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH, Berlin .

Kann ein Bestandsgebäude nicht mehr energetisch saniert werden, dann sollte beim Neubau die Energieeffizienz im Gebäudebetrieb optimiert und graue Emissionen auf ein Minimum reduziert werden. Außerdem können durch die Einhaltung der Prinzipien kreislaufgerechten Bauens Gebäude zu zukünftigen Materiallagern avancieren. Die eingesetzten Bauprodukte werden dabei im Detail dokumentiert und so verbaut, dass möglichst alle Materialien am Lebenszyklusende hochwertig rezyklierbar oder wiederverwendbar sind.

 

Online-Angebote des VDI Zentrums Ressourceneffizienz

  • Die 3D-Grafik dieser Prozessvisualisierung veranschaulicht, wo genau sich Ressourceneffizienzpotenziale in einem Gewerbegebiet befinden und wie Unternehmen diese bereits in der Praxis genutzt haben. Dabei ist sowohl die Vernetzung der Unternehmen untereinander als auch mit den anliegenden Wohngebieten von zentraler Bedeutung.

    Gewerbegebiet

Publikationen zum Thema „Ressourcenverbrauch im Bauwesen“

Broschüren

Nachhaltiges Bauen – Ein Mehrwert für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Planen Betriebe nachhaltig zu bauen, können sie von einer längeren Lebensdauer ihres Gebäudes und langfristig von reduzierten Kosten profitieren. Das VDI ZRE informiert in dieser Broschüre KMU rund um das Thema nachhaltiges Bauen und stellt Umsetzungsbeispiele aus der Praxis vor.

  • Broschüren
Das Bild zeigt die Holzfassade eines Gebäudes.© JUHR Architekturbüro für Industriebau- und Gesamtplanung

Ressourceneffizienz im Bauwesen – Von der Planung bis zum Bauwerk

Die Broschüre gibt einen Überblick über die Definition der Ressourceneffizienz und Möglichkeiten, Ressourceneffizienzaspekte von der Planung bis zur Bauausführung zu integrieren. Sie enthält weiterführende Informationen und hilfreiche Werkzeuge sowie Praxisbeispiele.

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Das Bild zeigt die Fassade und den Innenhof eines Neubaus.© ZRS Architekten

Kontakt

Bei Fragen zum Thema „Ressourcenverbrauch im Bauwesen“ helfen wir Ihnen gerne weiter.

Tel.: +49 (0)30 2759506-0

E-Mail: zre-industrie@vdi.de